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Fränkischer Tag - 23.11.2010
Die Umlandbahn lebt wieder auf
Nahverkehr Das Projekt Stadt-Umland-Bahn findet in der Region begeisterte Unterstützer. Neunkirchens Bürgermeister Heinz Richter (FWG) gehört eher zu den vorsichtigen Befürwortern, sagt aber: Die Trasse für die StUB werde freigehalten.

Die Postkarte aus den 30er Jahren zeigt die Ortsdurchfahrt von Dormitz. Wo damals die Sekundärbahn (im Volksmund „Seekuh“) unterwegs war, könnte in einigen Jahren eine Straßenbahn fahren. Die Strecke verläuft von Erlangen bis nach Eschenau. Repro/FT


Erlangen und Saarbrücken planten ab 1991 eine Stadtbahn. Während im Raum Erlangen noch geplant wird, transportiert die Saarbahn seit 1997 täglich rund 40 000 Fahrgäste. Verkehrsgesellschaft Saarbrücken



Forchheim/Erlangen - Holger Kotouc fährt meist mit dem Fahrrad zur Arbeit. Dafür braucht er von Neunkirchen am Brand bis Erlangen 20 Minuten. Im Auto benötigt er für dieselben Strecke 45 Minuten. Tag für Tag sorgen knapp 20 000 Autos für einen Stau zwischen Neunkirchen und Erlangen; Grund genug, dass sich die Grünen in Neunkirchen für die Stadt-Umland-Bahn (StUB) stark machen, sagt der Ortsverbandsvorsitzende Kotouc. Ohne die StUB werde es in der Metropolregion zum Verkehrskollaps kommen.

Es sei schon erstaunlich, dass das Thema „nicht angegangen wird“. Die Bürgermeister von Dormitz und Neunkirchen hätten im Wahlkampf Umgehungsstraßen versprochen. Jetzt hielten sie daran fest, sagt Kotouc.

Zumindest als Option wird die Umlandbahn gehandelt. Jochen Cervik, Leiter des Neunkirchner Bauamtes, sagt, dass die StUB-Trasse in den aktuellen Plänen festgelegt wurde. Darüber diskutiert werde nicht. „Es glaubt nicht wirklich jemand daran.“

Heinz Richter formuliert es etwas zuversichtlicher: „Viel ist noch Wunschdenken bei der StUB, daher bin ich sehr vorsichtig.“ Gleichzeitig betont der Bürgermeister (FWG), dass sich Neunkirchen „sofort anschließt“, wenn Erlangen für den Bau sei. Keinesfalls will Richter die StUB gegen die Umgehungsstraße ausspielen. Der Ort sei auf die West-Umgehung angewiesen, denn der Lkw-Verkehr ruiniere die Straßen und gefährde die historischen Tore.

Zwischen Erlangen und Neunkirchen fahren täglich nicht nur tausende Autos. Hinzu kommen 5000 Fahrgäste, die per Bus auf der Strecke unterwegs sind. Allein diese Nachfrage rechtfertige eine Stadtbahn, meint Esther Schuck, die Vorsitzende der Bürgerinitiative (BI) Umweltverträgliche Mobilität im Schwabachtal. Die 400 Mitglieder starke BI setzte sich dafür ein, dass die StUB von Nürnberg nach Erlangen, und von hier nach Osten in Richtung Herzogenaurach und nach Westen über Neunkirchen bis nach Eschenau gebaut wird.

„So eine Stadtbahn kann nur auf der Ebene der Metropolregion verwirklicht werden,“ ist Esther Schuck überzeugt. Kritikern hält sie entgegen, dass S-Bahn und Stadtbahn keinerlei Konkurrenz darstellten. Städte wie Freiburg, Erfurt oder Würzburg hätten es vorgemacht: Die Kommunen profitierten. Der Trassenbau gehe immer mit der Sanierung der Straßen und steigenden Immobilienpreisen einher.

Wo Umlandbahnen gebaut werden, steigen die Fahrgastzahlen im Nahverkehr bis zu 100 Prozent, sagt Hans-Thomas Benz, der stellvertretende BI-Vorsitzende. Das Schwierige an der StUB-Planung in der hiesigen Region: Vier Körperschaften müssen zusammenarbeiten, „das ist schwer unter einen Hut zu bringen“, sagt Esther Schuck. Wirkliche Begeisterung für das Projekt sei nur in Herzogenaurach zu spüren.

Hans-Thomas Benz erinnert sich, dass der Landkreis Forchheim den Nahverkehr vor 20 Jahren durch Visionen wie das Anruf-Sammel-Taxi beflügelt habe. Doch wenn es um die StUB gehe, sei wenig Enthusiasmus bemerkbar.

Neutrale Beobachter
Klaus Hummel, Nahverkehrsbeauftragter des Landkreises, sieht sich in der Rolle des „neutralen Beobachters“. Die Entscheidung werde „leicht fallen, wenn das Gutachten vorliegt, das über den Kosten-Nutzenfaktor entscheidet“. Nur ein günstiger Faktor garantiere Zuschüsse des Bundes. Ohne das Geld aus dem Wirtschaftsministerium sei das Projekt nicht machbar. „Natürlich ist für den Raum Neunkirchen eine Verbesserung des Nahverkehrs vorstellbar“, sagt Hummel; die Idee einer Straßenbahn habe er deshalb „noch nicht abgehakt“.

Für den Grünen Kreisrat Karl Waldmann führt kein Weg an der StUB vorbei. Dormitz, Neunkirchen, Uttenreuth – überall der Ruf nach Umgehungsstraßen. Der Landschaftsverbrauch im Schwabachtal hätte „ökologisch katastrophale Folgen“, warnt Waldmann; zudem sei „der Straßenbau nicht mehr finanzierbar“. Die Crux für Waldmann: „Die Entscheidungen – auch im Forchheimer Kreistag – treffen diejenigen, die Autos haben und mobil sind.“ Die Bürger ohne Auto würden übergangen; zudem werde übersehen, „dass unter jungen Leuten die Zahl der Führerschein-Besitzer zurück geht“.

Auch Karin Weber, die für das Bürgerforum Dormitz im Gemeinderat sitzt, drängt auf die Straßenbahn: „Die Busse und Autos können die Kapazität der Fahrgäste gar nicht mehr auffangen, die sich jeden Morgen in Richtung Erlangen bewegen.“

Die Dormitzer Gemeinderätin befürchtet aber, dass statt der Straßenbahn die Umgehungsstraße von Dormitz gebaut werden könnte. Das Projekt Straße bedeute „eine gravierende Konkurrenz zur Umlandbahn.“

Die Bürgerinitiative Umweltverträgliche Mobilität im Schwabachtal vermisst Visionäre. Oft genüge es, wenn sich in einer Kommune einer finde, die sich für eine Vision wie die StUB begeistere. Wie es funktionieren kann, dafür gebe es anschauliche Vorbilder: Karlsruhe, Saarbrücken, Heilbronn, Erfurt und neuerdings Würzburg. Auch Neunkirchen könnte mit einer Stadtbahn punkten und als Unterzentrum „aufblühen“, ist Esther Schuck überzeugt. Außerdem gelte für den Raum Erlangen: Verkehrspolitisch werde es ohne Stadt-Umlandbahn nicht möglich sein, den Individualverkehr zurückzudrängen.“

„Die Betriebskosten auf der Schiene sind einfach günstiger“, sagt Hans-Thomas Benz: Eine Straßenbahn ersetze drei Busse, sei umweltschonend und über 30 Jahre einsatzbereit. „Ein Bus muss nach zehn Jahren ersetzt werden.“ Dennoch sei die Straßenbahn beim Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) über Jahrzehnte wie ein „ungeliebtes Kind“ behandelt worden. „Das Projekt wurde schlechtgerechnet.“ Bus und Straßenbahn „sind keine Gegensätze, vielmehr ist der Bus der Zubringer zur Schiene“, sagt Benz. Daher, meint Schuck, „wäre es kurzsichtig und ein Armutszeugnis, die StUB jetzt zu begraben“.

VON UNSEREM REDAKTIONSMITGLIED
Ekkehard Roepert