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Nordbayerische Nachrichten - 25.03.2011
Leserbrief: ...und Kontra aus Neunkirchen
Betrifft: Westumfahrung Neunkirchen
Ja wo fahren sie denn? Weingarts sieht sich offenbar von einer überregionalen Lkw-Flut überschwemmt – was den Zählungen widerspricht, die vor und während der Lastwagensperre in Neunkirchen und im Oberen Schwabachtal durchgeführt wurden.
In Neunkirchen wird immer wieder betont, dass über 500 Lkw die Anwohner belästigen. Verschwiegen wird, dass darin aber auch Lieferwagen enthalten sind; von den insgesamt weniger als 300 großen Lkw passen weniger als 100 nicht durch die Tore Neunkirchens – so aus den offiziellen Zählungen zu entnehmen.
In Nachbargemeinden, so in Hetzles, wird oberflächlich und ohne sich an wahren Belastungszahlen zu orientieren einfach behauptet, eine Zuweisung in die 1R-Dringlichkeit sei unverständlich, da Neunkirchen so belastet sei wie Dormitz – auch dies belegen offizielle Zahlen so nicht.
Wo aber kommen die allseitig beklagten Belastungen des Straßenverkehrs her? Das sind doch keine Naturgewalten – die machen wir uns doch selbst! Auch in großen Lkw sitzen Menschen, von denen – ebenso wie von uns – erwartet werden muss und kann, dass sie sich den Straßenverhältnissen entsprechend verhalten – oder wollen wir für alle Gemeinden Deutschlands jeweils eine Umgehungsstraße bauen, damit Lastkraftwagen von Passanten stets getrennt werden und freie Fahrt haben? Wie sähe die deutsche Landschaft dann wohl aus?
Wer sich Gedanken macht, wie Straßenverkehr gelenkt, verringert und damit weniger belastend zu gestalten ist, wird schnell mit dem Schlagwort „Gegner“ bedacht: Gegner der Straßenbaus, Gegner des Fortschritts. In einer Demokratie ist dies ein beliebtes Spiel, um keine bessere Lösung finden und einmal eingeschlagene Wege nicht verlassen zu müssen.
Tatsache ist, dass in Neunkirchen im Umkreis der Kerngemeinde der Mensch in rund 100 Jahren Naturflächen Stück für Stück auf unter 20 Prozent zurückgedrängt hat. Dass wir hier keine Laubfrösche mehr haben, liegt nicht daran, dass sie keine Lust mehr hatten und einfach gegangen sind.
Wir geben vor, in einer funktionierenden Demokratie zu leben. Tatsache ist, dass viele von uns so eingebunden sind, dass kaum Zeit bleibt, sich um derartige Probleme zu kümmern. Müssen wir auch nicht, denn dafür gibt es Vertreter, die im Vertrauen darauf gewählt wurden, dass sie ihre Entscheidungen gut überdenken und später gegebenenfalls rechtfertigen können.
Das aber hat sich jedoch gerade als die Achillesferse des Systems entwickelt – Vordenker, die in erstrebenswerte Bahnen lenken, sind offenbar leider rar gesät und stehen sie gar außerhalb, folgt der Ruf „Was wollt ihr denn, ist doch alles demokratisch?“, um sie abzuschütteln.
So entscheiden dann in der Hektik der Zeit Mehrheiten, deren Überlegungen dort enden, dass „erst einmal der Mensch zu kommen habe“, ohne sich bewusst zu werden, dass wir Menschen von einer intakten Natur abhängig sind. Anderes später, doch dazu kommen wir nicht mehr, der Tag ist endlich.
Die Natur besteht aus Nahrungsketten. Fehlen Kettenglieder verlöscht nicht nur eine Art, sondern auch alle nahrungsabhängigen. Wir haben die Natur bereits über die Maßen zurückgedrängt und es ist dringend erforderlich damit aufzuhören — anzufangen, die noch intakten Naturbereiche zu erhalten und abzusichern, das ist die Aufgabe der Stunde.
Bälle zum Dranbleiben in Ratssitzungen zu verteilen, kann sicherlich ganz originell sein, wir wünschen uns lediglich, sie wären bunt, wie Blumenwiesen sein sollen, und erinnerten an unsere Verpflichtung gegenüber den nachfolgenden Generationen.
Drei Räte Neunkirchens haben diese Zusammenhänge schon erkannt. Andere wollen Regionen, wo bestehende Straßen nur ausgebaut werden sollen, dazu bewegen davon abzulassen und das Geld nach Neunkirchen zu überweisen. Der Bund Naturschutz ist wohl ein Gegner, aber er ist der Gegner einer weiteren Zerstörung der noch verbliebenen intakten Natur, der Lebensbasis des Menschen.
Und all dies hat nichts mit lautstarker Minderheit zu tun, sondern mit Nachdenken im stillen Kämmerlein.
Bernhard Birnfeld, Vorsitzender der Ortsgruppe Neunkirchen des Bund Naturschutz