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Fränkischer Tag - 22.12.2011
Wohin nur mit dem Regen?

Naturschutz Am Galgenanger entsteht in Neunkirchen am Brand ein Baugebiet. Der Bund Naturschutz ist mit der Lage des geplanten Regenrückhaltebeckens nicht einverstanden – die Kommune möchte kein neues Grundstück kaufen.



Bernhard Birnfeld vom Bund Naturschutz neben der Baggerschürfe auf der Blumenwiese. Foto: Jan Koch


Neunkirchen - Als in Dresden die Waldschlösschenbrücke geplant wurde, meldeten Umweltschützer Bedenken an: Der Bau gefährde den Lebensraum der kleinen Hufeisennase.

In Neunkirchen am Brand deutet sich gerade ein ähnlicher Streit an. Der Standort eines geplanten Regenrückhaltebeckens gefährde in den Augen des Bund Naturschutzes (BN) nicht nur eine Blumenwiese, sondern auch den Lebensraum des Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulings – eine Tagfalterart.

Doch der Reihe nach: Im Norden Neunkirchens entsteht am Ortseingang ein Neubaugebiet für insgesamt 44 Bauplätze. Weil dadurch insgesamt 25 000 Quadratmeter Boden versiegelt werden, muss ein Regenrückhaltebecken gebaut werden, um sich vor Hochwasser zu schützen. So weit, so einfach. Doch bei der Lage des notwendigen Rückhaltebeckens haben der Markt Neunkirchen und der BN verschiedene Vorstellungen – genau hier wird es kompliziert.

Blumenwiese in Gefahr
Geplant wird das Becken derzeit auf einem Grundstück, das sich rund 600 Meter westlich vom Galgenanger befindet. Die Marktgemeinde hat dieses Grundstück ausgewählt, weil es ihr bereits gehört – also keine zusätzlichen Kosten auf sie zukommen würde. Der BN befürchtet nun, dass eine Blumenwiese, die sich auf dem Grundstück befindet, zerstört werden könnte. Bernhard Birnfeld, Vorsitzender der BN-Ortsgruppe Neunkirchen, beschreibt die Wiese als „biologisch hochwertige Fläche“, auf der sich durch extensive Bewirtschaftung eine seltene Flora und Fauna habe ansiedeln können. Prominentester Bewohner der Wiese ist aber der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling, betont Buchholz, Biologe und BN-Vorsitzender der Ortsgruppe Forchheim. „Der Tagfalter ist europaweit gefährdet. Er benötigt Feuchtwiesen wie diese Blumenwiese.“ Dem entgegnet Neunkirchens Bürgermeister Heinz Richter (FWG): „Die Lage des Beckens auf unserem Grundstück ist noch nicht genau fixiert. Das entscheidet der Gemeinderat wahrscheinlich im Januar, wenn das Bamberger Ingenieurbüro die Planung abgeschlossen hat.“

Zwei Bodenproben, so genannte Baggerschürfen, wurden bereits auf der Blumenwiese durchgeführt; sie untersuchen, ob sich Fels im Untergrund befindet. Dies sei jedoch kein Grund zur Sorge, versichert Jochen Cervik, Leiter des Bauamtes Neunkirchen. Das seien alte Standorte, die nicht mehr verfolgt würden. „Wir planen das Becken derzeit in der Mitte des Grundstücks.“ Daher werde lediglich 15 Prozent der Blumenwiese als Baugrund für das Rückhaltebecken benötigt. „Wir wollen aber, dass die Blumenwiese unberührt bleibt“, betont Bernhard Birnfeld. Er schlage deshalb den östlichen Teil des Gemeindegrundstücks vor oder gleich ein anderes Grundstück. Letzteres kommt für den Bürgermeister nicht in Frage: „Das Regenrückhaltebecken wird auf unserem Grundstück gebaut.“ Verhandlungen mit Besitzern umliegender Flächen seien zwar geführt worden, allerdings ohne Ergebnis.

Bernhard Birnfelder glaubt, dass der Markt das Becken nur deshalb nicht nach Osten verschieben wolle, „um das Baugebiet dort später erweitern zu können.“

Bauamtsleiter Cervik räumt ein, dass dies eine Überlegung des Marktes sei. „Konkrete Planungen gibt es aber noch nicht.“

Wo das nötige Regenrückhaltebecken angelegt werden kann, wird sich wahrscheinlich im Januar entscheiden. Die endgültige Entscheidung über den Standort trifft allerdings das Landratsamt: „Wir werden das hinsichtlich des Naturschutzes begutachten“, sagt Michael Urbanczyk, Mitarbeiter der Naturschutzbehörde. „Ich werde das nach der naturschutzrechtlichen Eingriffsregelung beurteilen“, sagt er. Folgt man dieser, so seien Alternativen zu überprüfen. „Wenn dies naturschutzrechtlich weniger empfindlich sind, dann ist das so durchzuführen.“ Geld oder andere Interessen seien hier nicht allein entscheident, fügt Urbanczik zusammen.

Bauamtsleiter Jochen Cervik hofft auf eine möglichst rasche Entscheidung, da das Baugebiet im kommenden Jahr erschlossen werden soll – zahlreiche Bauplätze seien schließlich schon vorreserviert.




VON UNSEREM REDAKTIONSMITGLIED Jan Koch