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Fränkischer Tag - 22.02.2013
Die Kraft der Sonne vernachlässigt

Energiewende Die Energiegenossenschaft Neunkirchner Bürger und der Bund Naturschutz drängen auf einen neuen Umgang mit der regenerativen Energie. Das Echo auf die Initiative ist enorm.


Die Sonne über Kirchehrenbach. Hier, wie fast überall im Landkreis Forchheim, könnte mehr regenerative Energie durch Photovoltaik genutzt werden. Foto: Josef Hofbauer


Kreis Forchheim - Selbstbestimmte Energieversorgung – das ist ein zentrales Thema der Bürger-Energiegenossenschaft. Daher reagieren die Mitglieder der „Bürger-für-Bürger-Energie“ (mit Sitz in Neunkirchen am Brand) voller Unmut auf die Energiepolitik der Bundesregierung. Und auch der Bund Naturschutz will nun „Druck von unten machen, damit die Energiewende beschleunigt und nicht zerredet wird“, wie BN-Kreisvorsitzender Heinrich Kattenbeck sagt.

Ein idealer Anlass, diesen „Druck von unten“ zu erhöhen, bietet sich in Forchheim am 26. Februar. An diesem Dienstag wird Regisseur Frank Farenski seinen aufrüttelnden Film „Leben mit der Energiewende“ in Forchheim präsentieren. Nachdem das ZDF den Film als zu kritisch abgelehnt hatte, fand Farenski Sponsoren, um den 90 Minuten-Streifen nun bundesweit in die Kinos zu bringen.

Der hochpolitische Film wird zum Preis von unter zwei Cent gezeigt. 0,0168 Euro können die Besucher an der Kasse des Kino-Centers zahlen. Das ist natürlich ein symbolischer Beitrag: Dieser Eintrittspreis entspricht der Summe, die der Bürger durch die Erhöhung der EEG-Umlage im Jahr 2013 pro Kilowattstunde für den Ausbau der erneuerbaren Energieträger zahlt.

Die Energiepolitik in Berlin suggeriere, dass die Energiewende den Strom unbezahlbar mache, kritisiert Barbara Gabel-Cunningham, die im Vorstand der Neunkirchner Bürger-Energiegenossenschaft sitzt. Sie hat den Film bereits gesehen und ist überzeugt, dass die Energiepolitik der Regierung lediglich darauf abziele, den großen Energieversorgern ihre Anteile zu sichern.

Mehr als nur Windräder
Auch Gerhard Pospischil übt scharfe Kritik. Er ist Vorsitzender der „Energie-Offensive Forchheim“, einer eigenständigen Arbeitsgemeinschaft des SPD-Ortsvereins Dormitz- Hetzles-Kleinsendelbach. Pospischil betont, dass es bei der Energiewende um viel mehr gehe als um die Windräder. Fakt sei, dass die von der Bundesregierung geforderten 80 Prozent regenerative Energie mit der jetzigen Vorgehensweise niemals erzielt werden könnten. Pospischil beobachtet eine große Abwehrhaltung, wenn es um Photovoltaik auf einem Schuldach oder Windräder in der Fränkischen Schweiz gehe. „Jeder muss Vorschläge machen.“ Und jeder müsse die Möglichkeiten ergreifen, die beispielsweise dank moderner Licht- und Heiztechnik längst greifbar seien.

Bernhard Birnfeld, BN-Vorsitzender aus Neunkirchen am Brand, brandmarkt ebenfalls Merkels Energiepolitik. Die Kanzlerin habe A gesagt, wage aber nicht, B zu sagen. Einerseits sollen die Atomkraftwerke abgeschaltet werden, „gleichzeitig wird die Energiewende ausgebremst“.

Wie Birnfeld entdecken auch Heinrich Querfurth (Vorsitzender der BN-Ortsgruppe Effeltrich-Langensendelbach-Poxdorf) und Christoph Wurmthaler (Aufsichtsrat in der Bürger-Energiegenossenschaft Neunkirchen) allerorten Widersprüche in der herrschenden Energiepolitik. Da werde gegen Windräder opponiert, weil sie dem Vogelschutz nicht gerecht würden, sagt Querfurth. Doch die Opfer, die der Naturschutz beim Aufstellen der Windräder bringen müsse, sei gar nichts im Vergleich zu der drohenden Klimaerwärmung. Ein globale Erhöhung der Temperatur um zwei Grad – „und es gibt keinen Wald mehr“, warnt Querfurth.

Und Christoph Wurmthaler erinnert daran, dass die 214 Hektar Vorbehaltsfläche für Windräder im Landkreis Forchheim nicht einmal ein Fünftel des Energiebedarfs decken würden, der in der Region benötigt werde.

Auch wenn nicht jeder Landkreis „energieautark“ werden könne, so sei Forchheim doch weit von den selbst gesteckten Zielen entfernt, sagt Bernhard Birnfeld und lobt den Landkreis Bamberg als Vorbild: Dort gebe es einen Wettbewerb unter den Gemeinden, wer am meisten regenerative Energie erzeuge.

16 namhafte Unterstützer
Eigentlich sollte die Energiewende im Landkreis Forchheim kein Problem sein; denn der vom Bund Naturschutz und von der Bürger-für-Bürger-Energie Neunkirchen veranstaltete Film-Tag am 26. Februar hat 16 namhafte Unterstützer auf den Plan gerufen: Unter anderem die Naturstrom AG, die Stadtwerke Forchheim und Ebermannstadt und sämtliche namhafte Parteien stehen hinter dem Projekt.

Was aber noch fehlt, meint Christoph Wurmthaler, sei die Diskussion über das richtige Thema: Statt über Energiepreise, sollte endlich über das Energiesparen geredet werden. „Wenn jeder macht, was er kann“, sagt Pospischil „können mit klitzekleinen Maßnahmen zigtausende von Kilowattstunden gespart werden.“

Aber neben dem Beitrag, den einzelne leisten sollten, will Heinrich Kattenbeck auch darüber reden, „wie die deutsche Energiepolitik die Kosten auf den Verbraucher abwälzt“. Und Barbara Gabel-Cunningham ist der Auffassung: Das eigentliche Problem seien die Lobbyisten und Energie-Barone.

Etwa das Geschäftsfeld der Photovoltaik werde vernachlässigt. Heinrich Kattenbeck meint: Die Wirtschaftskraft des Landes könnte enorm profitieren, wenn die Kraft der Sonne genutzt und die Vermarktung der Photovoltaik-Technik gefördert würde. Stattdessen, sagt Gabel-Cunningham, verarsche die Regierung das Volk mit falschen Zahlen aus Berlin.

VON UNSEREM REDAKTIONSMITGLIED
Ekkehard Roepert