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Nordbayerische Nachrichten - 11.02.2014
„Die Energiewende ist bei beiden in guten Händen“

Landratskandidaten Klaus Schulenburg und Hermann Ulm debattierten über Klimaschutzmaßnahmen — Eine Woche ohne Strom

VON STEFANIE HATTEL
Man müsse die Energiewirtschaft in mehr Hände geben, sagt Herbert Barthel, Sprecher des Bund Naturschutz für Energie und Klima, anfangs der Podiumsdiskussion des Bündnisses Energiewende für den Landkreis Forchheim mit den Landratskandidaten.
Klaus Schulenburg setzt auf Klimaschutzkonzept und Koordinierungsfunktion des Landkreises, Hermann Ulm auf die Bauleitplanung der Kommunen. Moderator Thomas Ködelpeter resümierte: „Die Energiewende ist bei beiden in guten Händen.“
FORCHHEIM – An einem Strang ziehen, das war es, worum es den Landratskandidaten Klaus Schulenburg (FW/SPD) und Hermann Ulm (CSU) in erster Linie ging. In den wesentlichen Punkten stimmten sie deshalb auch überein: Die eigentliche Gestaltungsmacht der Energiewende gehe von den Kommunen und Bürgern aus. Den Landkreis sahen beide in beratender, fördernder und koordinierender Funktion. Beide appellierten an mehr interkommunale Zusammenarbeit, auch über Landkreisgrenzen hinaus.

Öffentliche Gebäude sanieren
Ulm und Schulenburg kündigten an, die Energiesanierung der öffentlichen Gebäude im Besitz des Landkreises zügig weiterzuführen. Ulm hielt die 50 Prozent Einsparpotenzial, die der Energie-Referent des Bund Naturschutz, Herbert Barthel, in seinem Einführungsvortrag bis 2050 angemahnt hatte, für realistisch. Schulenburg nannte den Durchschnittswert des Landkreises von derzeit 27 Prozent „auch schon sehr gut“.
„Die Energiewende findet auf dem Land statt“, sagte Schulenburg in seinem Eingangs-Statement. Die Landkreise müssten deshalb vorangehen. Der Landkreis Forchheim sei mit der Entwicklung eines eigenen Klimaschutzkonzepts sogar schon in Vorleistung gegangen. Die Maßnahmen seien benannt, allmählich sei auch die Technik so weit, dass man sie umsetzen könne, so Schulenburg. Nun müsse nur noch die Bevölkerung mitziehen.
Hermann Ulm wurde konkreter: Der „Energie-Dreischritt“ aus Energiesparen, höherer Energie-Effizienz und Einsatz erneuerbarer Energien sei als Sofortmaßnahme zu verstehen. Dazu müsse jede Gemeinde innerhalb der nächsten zwei, drei Jahre eine Bedarfsanalyse mit Stromverbrauch, Einsparpotenzial und bereits vorhandenen Energiequellen erstellen und jede künftige Bauleitplanung sowie den Flächennutzungsplan daran anpassen.
Ulm gab auch Beispiele: Die Straßenbeleuchtung müsse auf LED umgestellt werden. Neubauten könne man nur noch in Süd-West-Ausrichtung genehmigen, damit man die Sonnen­ Einstrahlung optimal nutze und der Weg zum energieautarken Wohnhaus geebnet sei. Bei der Ausschreibung neuer Industriegebiete könne zur Bedingung werden, dass die sich ansiedelnden Firmen über Photovoltaik und Wärmespeicherung ebenfalls energieautark produzieren. Immerhin gingen 70 Prozent des Stromverbrauchs im Landkreis auf ihr Konto, wie ein Zuhörer einwarf. Hemmnisse sah Ulm keine, vorausgesetzt die Kommunen machten mit.

Ideen für Kampagne
Gemeinsam sammelten die Kandidaten Ideen für eine Kampagne zur Energiewende: Vorreiter-Gemeinden müssten bekannt gemacht werden (Ulm), Privatleuten und Kleinunternehmern der Rückfluss ihrer Klima-Investitionen aufgezeigt werden (Schulenburg). Ulm schlug vor, Fachleute in die Schulen zu bringen, um über die Kinder die Eltern zu gewinnen. Schulenburg erzählte von einem Kindergarten-Experiment: Eine Gruppe hatte versucht, eine Woche lang ohne Strom auszukommen.

Mais nicht nachhaltig
Viele Anregungen kamen auch aus dem Publikum: Mais sei als Biomasse zwar energieeffizient, aber nicht nachhaltig, da er die Böden ausdörre. Schulenburg schlug vor, Anbau und Verwertung in Biogas-Anlagen zu begrenzen und dafür auf effizientere Verarbeitungstechniken zu setzen. Langfristiges Ziel sei, nur noch Bio-„Müll“ in Biogas-Anlagen zu verwerten.
Der öffentliche Nahverkehr müsse endlich ausgebaut werden, lautete ein weiterer Einwurf. Diesmal antwortete Ulm: Man müsse weg von „starren Linien“, deren Busse oft in Leerfahrten unterwegs seien, und das Radwege- Netz entlang der Staats- und Kreisstraßen ausbauen. Damit mehr vom Auto auf Bus und Bahn umsteigen, schlug Ulm Sammeltaxis und Zubringer-Dienste auf Abruf vor.
Schulenburg traute sich, auch die finanzielle Frage anzusprechen: „Beratung kostet Geld.“ Dazu verwies er auf Stiftungen und Fundraising-Modelle sowie Förderungen von EU, Bund und Freistaat. Er sprach auch die soziale Komponente an: Je teurer die Energiewende komme, desto weniger bleibe für den Sozialetat. Den Vorschlag aus dem Publikum, einen Sozialtarif für grünen Strom zu schaffen, lehnte er aber ab.