Sie befinden sich hier: Startseite > Aktuelles > Pressespiegel > Pressemeldung
Logo eDienste

Logo willkommen-in-neunkirchen.de
suchen

Termine

zuletzt geändert


Bild für Fusszeile Info

Fränkischer Tag - 06.03.2015
Über den Chefsessel hinaus aktiv

Ehrenamt Sowohl Landrat Hermann Ulm als auch Forchheims Oberbürgermeister Franz Stumpf engagieren sich in vielen Vereinen.
VON UNSEREM MITARBEITER Peter Groscurth

Kreis Forchheim - Sind unsere Politiker weltfremd? Sind sie abgehoben und haben zu wenig Verständnis für die Alltagsprobleme der Menschen? Immer wieder gibt es Vorwürfe, nach denen manche Politiker lieber lukrative Nebenämter in Aufsichtsräten annehmen, als ihren eigentlichen Jobs in Kommunen oder Parlamenten nach zu gehen. Wie aber sieht es wirklich aus? Der Fränkische Tag hat zwei bekannte Politiker auf dem Kreis Forchheim besucht und nachgehakt.

Nebentätigkeiten sind Thema
Zunächst bei Landrat Hermann Ulm (CSU): Er geht offen mit dem Thema Nebentätigkeiten um, hat sogar dazu eine Pressemitteilung herausgegeben – all seine Funktionen sind darin penibel aufgelistet. So ist Ulm Aufsichtsratschef der Klinik Fränkische Schweiz, im Wechsel mit Forchheims Oberbürgermeister Franz Stumpf (WUO/CSU) Verwaltungsratsvorsitzender der Sparkasse Forchheim sowie Vorsitzender des Zweckverbandes Synagoge Ermreuth. Hinzu kommen leitende Funktionen in anderen Verbänden und Vereinigungen. Bleibt da überhaupt Zeit für das Amt des Landrates?

„Solche Tätigkeiten und Positionen gehören dazu. Mein Arbeitstag beginnt meistens um acht oder neun Uhr, ist dann geprägt von vielen Sitzungen, Gesprächen und Besprechungen oder Außenterminen. Gegen 18 Uhr verlasse ich das Büro im Amt. Häufig stehen auch noch abends Termine an“, erklärt Ulm. Geld gibt es nur für die Tätigkeit bei der Sparkasse – alle anderen Nebenämter sind ehrenamtlich.

Gemeinschaft genießen
Darüber hinaus ist Ulm auch Mitglied in diversen Vereinen und anderen Vereinigungen, wie dem Posaunenchor seiner Heimatgemeinde Kunreuth, der Lebenshilfe Forchheim, der Freiwilligen Feuerwehr und dem Kirchenvorstand. Der zweifache Familienvater betont, wie wichtig es ihm ist, sich dort zu engagieren. „Ich möchte das nicht missen. Ich brauche eben einen Kreis von Menschen oder eine Gemeinschaft, mit der ich mich außerhalb meiner offiziellen Funktionen gut verstehe. Hier bekomme ich auch oft wichtige Anregungen für meine Arbeit. Außerdem bin ich so auch in vielen Themen breiter aufgestellt und habe einen besseren Bezug.“ Und die Familie? „Es ist wichtig, dass ich mir immer wieder Freiräume schaffe, damit ich für meine Kinder Elisabeth und Lorenz da bin. Ein Grundsatz von mir ist, dass ich keine Arbeit aus dem Büro mit nach Hause bringe.“ Sonst gibt es Ärger mit dem Nachwuchs, fügt der Landrat schmunzelnd an. Aufgrund einer Behinderung seines Sohnes liegt Ulm das Thema Inklusion an Schulen, also der gemeinsame Unterricht von behinderten und nichtbehinderten Kindern, sehr am Herzen. „Das ist ein wichtiger Bereich, der weiter an Bedeutung gewinnen wird. Hier müssen alle Beteiligten genau darauf achten, was den Kindern gut tut, wo Inklusion richtig und motivierend ist.“

Hermann Ulm übernahm erst spät politische Verantwortung, wurde mit 31 Jahren Bürgermeister in Kunreuth und vergangenes Jahr gewann der schließlich die Landratswahl. Zuvor war er Konrektor einer Mittelschule und Lehrbeauftragter an der Universität Erlangen. „Nur Politik als Beruf zu erlernen, ist für mich nicht zielführend. Ich war und will nie der reine Politiker sein, möchte mir auch meine Unabhängigkeit erhalten.“

Ein Grundsatz, der wohl auch für OB Franz Stumpf gilt. Seit 1990 regiert der 65-Jährige nun schon die Geschicke Forchheims – oft auch in für ihn stürmischen Zeiten. Auch Stumpf ist ein Multi-Funktionär oder Vereinsmeier, wie er es nennt. Er ist Vorsitzender beim Sportverein VfB, beim Roten Kreuz Forchheim und der Bayerischen Krankenhausgesellschaft. Zudem ist er im Vorstand der Blindenanstalt Nürnberg und Mitglied im Rechtsausschuss des Bayerischen Städtetages.

„Ich habe gute Zuarbeiter, daher hält sich der zeitliche Aufwand dafür in Grenzen“, räumt Stumpf ein. Sein Büro im Rathaus ist für Stumpf auch so etwas wie Privatsphäre. Zum Gespräch mit dem FT kommt er von der Mittagspause, zieht sich das Anzug-Jackett aus und schlüpft in eine bequeme Wollweste. „Mein Beruf ist für mich auch immer ein Einbringen in die Gesellschaft. Das ist mein Urmotiv: Ich will den Menschen helfen“, sagt Stumpf. Daher will er auf seine Ehrenämter nicht verzichten. „Als Kind durfte ich nicht in Vereine. Das hat mir mein Vater untersagt“, gesteht der OB. Dessen Vater war Richter und mied Mitgliedschaften oder Ehrenämter, weil er nicht wollte, dass seine Urteile dann möglicherweise als parteiisch angesehen wurden.

Vereine geben auch Anregungen
Doch Franz Stumpf sieht das anders: „Wenn ich im Verein mit Menschen zusammenkomme, merke ich, wo ihnen der Schuh wirklich drückt. Als OB erhalte ich viel zu oft nur gefilterte Informationen von Parteien oder der Verwaltung.“ Und was wünschen sich die Forchheimer denn nun am meisten? Stumpf muss nicht lange überlegen: „Wie zu Beginn der 90er-Jahre fehlen heute Wohnungen und Bauplätze. Das müssen wir als Stadt beherzt angehen und für Verbesserungen sorgen.“

Bis 2020 ist Stumpf gewählt und wie Landrat Ulm ist er ein entschiedener Anhänger von ehrenamtlichem Engagement: „So ist man eingebettet in die Gemeinschaft und lernt Zusammenhalt.“ Und gerade wird eine Studie in Forchheim erstellt, wie wichtig Vereinsarbeit für eine Stadt und all ihre Bürger ist.


Hermann Ulm als Mitglied der Sängergruppe Troubadur aus Kunreuth, bei denen der Landrat als 1. Bass mitsingt.