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Fränkischer Tag - 08.08.2015
Alles stöhnt unter der Hitze

Wetter Das Einzige, das derzeit Linderung von Hitze und Trockenheit verspricht, ist Wasser.

Also rast im Keller der Wasserzähler. Und einst stolze
Bäche verwandeln sich in bemitleidenswerte Rinnsale.

VON UNSERER MITARBEITERIN Petra Malbrich

Kreis Forchheim - Seit Wochen schon schreien sie nach Wasser: Tiere, Menschen und die Natur. Vögel sitzen mit aufgerissenen Schnäbeln unter dem Schatten spendendem Grün. Doch selbst die Bäume und Pflanzen lassen die Blätter und Köpfe hängen, bis das spritzende Wasser aus der Gießkanne die erste Not lindert. Kinder und Erwachsene verschaffen sich im Freibad eine wohltuende Abkühlung oder duschen nach schweißtreibender Arbeit zwei Mal am Tag. Der Wasserzähler im Keller rast.

„Wir merken, dass mehr Wasser verbraucht wird“, sagt Christian Sponsel von den Stadtwerken Forchheim. Der Durchschnittsverbrauch liegt bei 162 000 Kubikmeter im Monat. Im Juli wurden 174 000 Kubikmeter gezählt. Das sind mehr als zehn Prozent mehr als im Jahr zuvor. Doch bei den Stadtwerken wird nicht nur der Verbrauch, sondern auch der Grundwasserhöhenstand gemessen.

Geht das Wasser zur Neige?
Im Sommer ist der Wasserstand geringer als im Winter. In durchschnittlichen Sommermonaten ist er zwischen 25 Zentimeter und einem halben Meter tiefer als im Winter. Derzeit ist der Wasserstand aber bereits zwischen 50 Zentimeter und 75 Zentimeter tiefer als im Winter. In Wintermonaten beträgt der Wasserstand zwischen acht und 15 Meter.

Sorgen, uns könnte das Wasser ausgehen, muss sich gleichwohl keiner machen: „Es ist genügend Grundwasser da“, beruhigt Sponsel. Bei der Pumpanlage machen sich die extremen Sommermonate dagegen schon bemerkbar. Seit Beginn der Hitze- und Trockenperiode wurden deshalb die Einschaltzeiten der Pumpe vorgezogen. Die Pumpen laufen sonst nur über Nacht und füllen den Hochbehälter.

Diese Einschaltzeiten wurden nun geändert und bleiben auch in diesem Modus – so lange es derart heiß bleibt, verrät Sponsel. Die Pumpen werden nun schon deutlich früher angeworfen, um Engpässe zu vermeiden und für den Notfall vorzusorgen. In diesen heißen Wochen starten die Pumpen deshalb schon zwischen 15 und 17 Jahr und damit rund zwei Stunden früher als im Winter. Die Mitarbeiter der Stadtwerke wissen genau, dass zwischen 17 und 21 Uhr am meisten Wasser ge- und verbraucht wird. Dann wird in und um Forchheim gekocht und gegossen, das Planschbecken gefüllt oder die Grillparty vorbereitet. Der Hochbehälter würde durch den dann vermehrten Wasserverbrauch Stück für Stück leerer werden. In der Praxis läuft der Hochbehälter indes nicht leer, sondern wird durch die eingeschaltete Pumpe wieder gefüllt. „In dieser Hochphase wird eben viel Wasser verbraucht“, sagt Sponsel.

Einfach unbezahlbar
Dieser Sommer ist nicht nur für die Stadtwerke extrem. Christian Sponsel weiß von vielen Problemen, die Landwirte mit der Hitze haben. Wasser allein kann das Problem nicht lösen.

„Die landwirtschaftlichen Flächen sind zu groß“, sagt Uwe Krämer. Er ist ein Dienstleister für Landwirte. Unbezahlbar nennt er auch Bewässerung der Felder. Der Gräfenberger mäht und betreut Felder von Landwirten und übernimmt den Winterdienst für Kommunen. Auch die Gemeinden gehen sparsam mit dem Wasser um. Bewässert und gegossen wird nur, was unbedingt sein muss. „Besonders neu Gepflanztes wird bewässert“, sagt Neunkirchens Bürgermeister Heinz Richter (FWG).

Dies trifft beispielsweise auf den Brandbachgarten oder eine Fläche am Wall zu. „Die Rasenflächen werden nicht bewässert. Auch zu Hause nicht“, betont Richter. Mit der Wasserversorgung hat die Marktgemeinde Neunkichen keine Probleme, sie schöpft ihr Wasser aus sieben Tiefbrunnen in 200 Metern Tiefe. „Unser Bach ist momentan ein Rinnsal“ beschreibt Bürgermeister Richter den derzeitigen Zustand des Brandbachs.

Ähnlich sieht es in anderen Gemeinden aus. Auch die Igensdorfer Bauhofmitarbeiter sind frühmorgens unterwegs, um frisch gepflanzte Blumen, Bäume und Sträucher zu gießen. Auch die Kastanienallee, deren Existenz schon deutlich angezählt ist, erhält eine kühle Wasserdusche. „Nur das Nötigste wird bewässert“, betont auch Uwe Reisberger vom Igensdorfer Bauamt.

Auch im Zweckverband zur Wasserversorgung der Wiesentgruppe beobachtet man die Entwicklung genau. Die Orte Ebermannstadt, Gößweinstein, Wiesenttal, Ahorntal und Pottenstein gehören dazu. „Der Wasserwart hat versichert, dass der Wasserverbrauch gestiegen ist“, sagt Geschäftsführer Hermann Sebald. Im Schnitt werden im Zweckverband 10 000 Kubikmeter Wasser pro Monat verbraucht. Wie hoch die hitzebedingte Steigerung ist, kann Sebald noch nicht abschätzen. Aber es könnte durchaus sein, dass diese Hitzemonate den Jahresverbrauch in die Höhe schnellen lassen.

Schöpfen aus dem Bach
Das kann am Ende zu höheren Abschlagszahlungen bei den Verbrauchern führen. Bei den Stadtwerken besteht diese Gefahr nicht, weil dort die Wasserpreise lediglich alle vier Jahre neu kalkuliert wird.

Wer in der Nähe eines Baches lebt, kann seinen eigenen Verbrauch ein wenig eingrenzen, wenn er Gießwasser aus den Bächen schöpft. „Jeder darf Wasser schöpfen“, sagt Pressesprecher Holger Strehl – aber nur mit Handgefäßen, zu denen unter anderem auch eine Gießkanne zählt.