Sie befinden sich hier: Startseite > Aktuelles > Pressespiegel > Pressemeldung
Logo eDienste

Logo willkommen-in-neunkirchen.de
suchen

Termine

zuletzt geändert


Bild für Fusszeile Info

Nordbayerische Nachrichten - 10.06.2006
Kleine Tüftelei erleichtert Geigern die Arbeit
Kleine Tüftelei erleichtert Geigern die Arbeit
Gerhard Klier aus Neunkirchen bekam für „Viola asymmetrisch “ den Instrumentenpreis —200 Arbeitsstunden



VON MANUELA MEYER
Vor wenigen Wochen wurde Gerhard Klier aus Neunkirchen der Deutsche Musikinstrumentenpreis 2006 des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie für seine „Viola asymmetrisch “ verliehen. Jahrelange Entwicklungsarbeit wurde damit honoriert. Wir haben uns in Kliers Werkstatt umgesehen.

NEUNKIRCHEN — Bei Gerhard Klier hängt der Himmel voller Geigen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Klier ist Geigenbaumeister und in seiner Werkstatt hängen die Violinen und Bratschen an Holzvorrichtungen an der Decke.
Was ist also angesichts dieser Kostbarkeiten das Besondere an Kliers „Viola asymmetrisch “: „Sie hat einen kleineren Corpus, daher kann man sie bequemer spielen, da man nicht so weit greifenmuss und durch die Asymmetrie, bei der der Hals nicht zentrisch sondern diagonal sitzt, kommt der Griff etwas weiter nach rechts und der Geiger hat einen kleineren Bogen zum Greifen “, erklärt der Erfinder, der selbst im Erlanger Kammermusikorchester die zweite Geige spielt.
Die asymmetrische Viola ist seine eigene Entwicklung. Mehr als zehn Jahre hat er daran getüftelt. Hat geplant und verworfen, hat gebaut und gespielt und wieder nachgearbeitet.
Gerhard Otto Klier, so sein vollständiger Name, stammt, wie die meisten Instrumentenbauer, aus dem Egerland. 1967 hat es die Familie nach Neunkirchen verschlagen. „Weil wir hier Verwandte besaßen, sonst wären wir wohl auch in Bubenreuth gelandet, wie die meisten anderen aus meiner Heimat. “ Bereits in der vierten Generation hat der 63-Jährige das Handwerk des Streichinstrumentenbaus erlernt. Hat sich dann, auch aus Platzgründen, auf die kleineren Instrumente wie Geigen und Bratschen beschränkt und sich, wie schon sein Vater, vor allem auf die Restauration und den Nachbau alter Instrumente spezialisiert. Einer Geige von Jakobus Steiner von 1675, die im Germanischen Nationalmuseum ausgestellt ist, beispielsweise. Oder einer Stradivari von 1667.
Die Hölzer für seine Instrumente bezieht Klier aus Europa: Ahorn für den Geigenboden, die Zarge und den Hals aus den Karpaten, Fichtenholz für die Decke vor allem aus Südtirol, „denn auf 1500 Meter wächst der Baum ganz gleichmäßig und hat somit auch eine schönere Maserung “, weiß der Meister.
Fast alles ist Handarbeit im Instrumentenbau. Nachdem die Formausgesägt und die Rundungen mit kleinen Beiteln herausgeschnitzt wurde, der millimeterfeine Rand des Instruments, der auch dazu dient, dass das Holz nicht reißt, herausgearbeitet ist, die fast papierdünnen Zargen mit Hilfe eines heißen Eisens gerundet, Decke und Boden gegeneinander abgewogen wurden, „denn das Gewicht ist mitverantwortlich für den Ton “, wird das Instrument grundiert, gegen Parasitenbefall geschützt und mehrmals lackiert. Erst jetzt kommt die Feinarbeit, kommt das Wissen und die Erfahrung des Baumeisters voll zum Einsatz: Die so genannte „Stimme “, das Hölzchen, das im Korpus steckt, wird an die richtige Stelle gesetzt und Steg und Saiten werden fein justiert.
Einen reichen Wissensschatz braucht es für diese Arbeit. Wissen über Physik und Chemie, über Stilepochen in der Musik, über Holzbearbeitung und kaufmännisches Denken. Dazu braucht es noch ein gutes Gehör und spielen muss man das Instrument auch noch können.
Fast zwanzig Jahre hat es gebraucht, bis aus dem Lehrling ein Meister geworden ist, „bis ich meine erste ordentliche Violine bauen konnte “.
150 bis 200 Stunden reine Arbeitszeit stecken in einer Geige oder Bratsche aus dem Hause Klier. Da wundert es nicht, dass Spitzeninstrumente bis zu 20000 Euro kosten können. Dafür kann man sie aber auch einige Jahrhunderte lang spielen, wenn man sie pfleglich behandelt.

Bratsche für 9500 Euro
Dagegen scheint die preisgekrönte asymmetrische Bratsche mit 9500 Euro geradezu als Schnäppchen. „Eines der Kriterien des Wettbewerbs war, dass es ein für Musiker noch bezahlbares Instrument sein musste. Daher der günstige Preis.
Denn Spitzenkünstler wie Anne Sophie Mutter beispielsweise spielen ja meist nicht auf eigenen Instrumenten, sondern bekommen sie geliehen. Von Banken oder vermögenden Mäzenen. „Die Mutter spielt beispielsweise bereits auf der dritten Stradivari “, so Klier.
Und was macht nun eine Stradivari zu einer solchen und wo ist der Unterschied zu einer Klier? „Das ist nur beiwirklich guten Musikern rauszuhören. Der Vorteil der alten Instrumente ist ihre Zuverlässigkeit. Sie sind gereift und das hat für den Spieler den Vorteil, dass er einschätzen kann, wie es in unterschiedlicher Umgebung klingt. “ Aber er wäre doch sicher stolz, wenn sein Instrument von beispielsweise Mutter gespielt würde? „Ja schon, aber lieber ist es mir, wenn junge Leute darauf spielen. Leute aus den Konservatorien oder von ,Jugend musiziert ’. Musiker, die noch entwicklungsfähig sind und gemeinsam mit dem Instrument reifen. “ Und was genau hat er nun von seinem Bundespreis? Klier lacht: „Jedenfalls kein Geld, falls Sie das meinen. Der Preis ist ein Diskus mit Gravur, eine Urkunde im Lederetui mit dem Bundesadler drauf, sowie eine Gratisausstellung auf der Frankfurter Musikmesse. “ Dort zumindest haben sich zwei Musiker sehr für die asymmetrische Bratsche interessiert. Sie wollen vorbeikommen, um sie sich genauer anzusehen und mal auszuprobieren.