Wappen Neunkirchen am Brand

Marktgemeinde

Neunkirchen am Brand

Neues aus dem Felix-Müller-Museum

Vor dem weiteren Verfall bewahrt: Das Flurdenkmal von Felix Müller beim Erleinhof

Oktober 2018

Entstanden ist das Werk im November 1957. Es war schon bitter kalt, als Felix Müller es draußen im Freien schuf, das Flurdenkmal, den „Sonnenstein“ an der Weggabelung nach Rosenbach und Ebersbach, in der Nähe zum Erleinhof. Über all die Jahre Wind und Wetter ausgesetzt, war die Substanz des Marterls stark gefährdet. Initiiert vom Ortsheimatpfleger Ernst Wölfel, beauftragt von der Marktgemeinde wurde das Flurdenkmal kürzlich vom Neunkirchener Steinmetzmeister Bertholdt gereinigt und restauriert.

Gestiftet wurde es von Margarete Harrer. Sie wurde 1878 in Neunkirchen geboren und stammte aus dem Erleinhof. Dort im elterlichen Hof verbrachte sie eine glückliche Kindheit und wurde Ordensschwester. In den Kriegsjahren pflegte sie aufopfernd und selbstlos verwundete Soldaten. Sie verließ jedoch den Orden und wirkte danach als Krankenschwester und Kinderbetreuerin in Oberlangheim. Der Lohn war gering; sie lebte in bescheidenen Verhältnissen. Im Alter wohnte sie in Neunkirchen im Elisabethenheim. Gestorben ist sie 1967; ihr Grab auf dem Alten Friedhof ist nicht mehr vorhanden.  Zum Dank und aus Verbundenheit mit der Heimat hat sie – trotz ihrer bescheidenen finanziellen Verhältnisse - Felix Müller gebeten, das Flurdenkmal zu schaffen; aufgestellt ist es in der Nähe zu ihrem Elternhaus. Über sein Honorar schreibt der Künstler: „Zum Schluß, als ich abrechnete, blieben mir 25 Märker.“, an anderer Stelle: „Da habe ich noch 25 DM dazugelegt“. Und weiter: „Die alte Frau hatte keinen Heller“. Zur Weihe des Denkmals kam es nicht, denn, so Felix Müller: „Der damalige Pfarrer hat es ignoriert, nicht eingeweiht. Dessen war ich obendrein froh. Die Weihe muß im Werk selbst sein“.

So freudig-dankbar von der Stifterin gedacht, war der Stein in den frühen 1970er Jahren Ort eines tragischen Verkehrsunfalls. Als Felix Müller davon hörte, fuhr er sofort zur Unfallstelle und schreibt in einem Brief an August Schaduz in Forchheim: „Wir kamen hin – da lag der Stein mitten entzwei. Der Sockel aber, der schaute aus wie ein mexikanischer Opferaltar, voller, voller Blut. Der Tatbestand: In der Nacht fuhren im Nebel zwei Studenten mit 2 Mädchen in voller Fahrwildnis mitten darauf [an dieser Stelle hat Felix Müller ein Weinglas gezeichnet]. Das Resultat: einer sofort tot, der andere später. Den Mädchen aus Effeltrich passierte nichts. […] Dann lag der Stein jahrelang da. Das Gras wuchs darüber, immer wieder, immer wieder, bis er endlich wieder dastand. Nach ein paar Wochen fuhr aber wieder in der Nacht ein Kerl drauf los. Der Karren kaputt, das Mal ebenso. […] So, jetzt dauerte es wieder ein Jahr, bis der Stein aufgestellt wurde. Auf der anderen Straßenseite. Doch hatten die Maurer das Gesicht so verschmiert mit Zement, daß es ein Graus war. Nun, das werde ich noch in Ordnung bringen, wenn’s noch geht. Schade um die viele Arbeit, die Schönheit der Form.“ Die durch den Unfall verursachte Bruchstelle im Stein aber bleibt auch nach der Restaurierung sichtbar.

Insbesondere der erste Unfall hat Felix Müller sehr belastet. Verzweifelt über dieses Ereignis schreibt er damals an seine Frau Gertrud: „Was bewegte mich alles. Bin ich schuld? Der Stifter? Der Fahrer? Alles unverzeihlich. Ach könnten wir doch in der Hand des Schicksals, das immer wieder zuschlägt, doch lesen.“

Der Stein steht ganz in der Tradition der regionalen Flurdenkmale, ist aber mit seinen symbolreichen Reliefdarstellungen ein für Felix Müller typisches Werk. Das Bildprogramm stammt aus der christlichen Glaubenswelt. Die Vorderseite erzählt von der Passion Jesu und dem Schmerz seiner Mutter über den Leidensweg des Sohnes, die Rückseite beschreibt in einem flacheren Relief das Wirken Gottes in der Natur.

Das Relief der Vorderseite erinnert entfernt an eine mexikanische Inka-Gottheit; Felix Müller sprach deshalb wohl auch von seinem „Sonnenstein“. Die äußere Form gleicht den früher auf den Feldern zum Trocknen aufgestellten Garben, was durch seitlich angeordnete Getreidebündel angedeutet wird, die förmlich aus dem Boden herauswachsen und so Erde und Steinmal harmonisch verbinden. Zentral in Herzform dargestellt ist das Antlitz Jesu, geborgen in den Händen Mariens, seiner schmerzhaften Mutter. Deren Antlitz darüber ist umrahmt von Getreideähren, Sonnenstrahlen gleich, und gekrönt von sieben Mohnblumen, die symbolhaft für die „Sieben Schmerzen Mariens“ stehen, aber auch als Erinnerung an das Kreuz und den Tod Christi. Denn im Inneren der blutroten Blüten ist ein Kreuz zu erkennen. Außerdem blühen in einem Kornfeld rote Mohnblumen. Diese Kombination wiederum kann als Hinweis auf das heilige Abendmahl mit dem Leib (Korn) und Blut (Mohn) Christi verstanden werden. 

Im unteren Teil des Steins sind fünf Medaillons angeordnet, die fünf Geheimnisse des Schmerzhaften Rosenkranzes abbildend. Ein Schriftband mit dem Text „Schmerzhafte Mutter, bitte für uns“ bezieht sich auf das Dargestellte. Ganz unten am Bildstock die Schlange des Paradieses, Symbol der Ursünde, die Christus mit seinem Opfertod überwunden hat.

Die Rückseite des Steins, im Lauf der Jahrzehnte stark verwittert, schildert das Wirken Gottes  in der Natur: Gottvater, mit der Rechten den Samen ausstreuend, hält in der linken Hand die geernteten Früchte, bekrönt von einem Kreuz als Hinweis auf den Tod seines Sohnes. Gottes Haupt ist umschlossen von einem Nimbus in Form einer flammenden Sonnenscheibe, zu seinen Füßen schwebt über einer Quelle mit dem lebenspendenden Wasser eine Taube als Symbol des Hl. Geistes. Sonne und Wasser bewirken das Wachstum der Früchte. Als Begleittext dazu steht die aus einer früheren Fassung der Allerheiligen-Litanei entlehnte Fürbitte: „Dass Du die Früchte der Erde geben und erhalten wollest“. Hintergrund dieser Gebetsbitte ist eine Frömmigkeit, die auf das unmittelbare Eingreifen Gottes setzt.

Mit der Restaurierung soll der Stein wieder Beachtung finden. Besuchen Sie das Denkmal einmal bei einem Spaziergang, bringen vielleicht ein paar Blumen mit zum Gedenken an die tödlich verunglückten jungen Männer, für alle Leid tragenden Mütter dieser Welt oder auch als Gruß an die Stifterin des Denkmals, Margarete Harrer. 

Peter Lichtenberger

Fotos: Ernst Wölfel, Museum 1957

 

 

Ein Grabstein aus Laubendorf für den Kirchplatz bei St. Michael?

August 2018

2018-11-Grabmal-Laubendorf-in-Nk-restauriertIn den letzten Tagen wurde auf dem Kirchplatz, an der Mauer neben der Katharinenkapelle, ein Grabstein aufgestellt. Warum gerade dieser und warum an diesem Platz?

Der Stein wurde von Felix Müller 1961 für den mit ihm befreundeten Martin Scherb und seine Ehefrau Margarete für deren Grab in Laubendorf geschaffen, wo Felix Müller bis 1940 lebte und arbeitete. Die Freundschaft der beiden Männer begann wohl schon in den späten 1920er/frühen 1930er Jahren. Felix Müller lebte damals in großer finanzieller Not. Er schreibt einem Brieffreund „ … weil ich ewig nichts verdiene. Und immer arbeite und nichts hereingeht“ und an anderer Stelle: „Kein roter Heller in der Kriegskasse. Trieb mit bestem Willen keinen „Zaster“ auf.“ Der Brotkorb hing sehr hoch und Martin Scherb, Landwirt im Nebenerwerb, hat ihn damals so manches Mal verköstigt. So entstand eine Freundschaft; der Grabstein für den Freund war dann später ein Dank.

Der Stein ist aus Treuchtlinger Marmor; das Relief wurde von Felix Müller eigenhändig in den Stein geschlagen. Das Grab sollte heuer aufgelöst werden und die Schwiegertochter des Ehepaars Scherb, Marie Scherb, hat dem Felix-Müller-Museum den Stein als Schenkung angeboten. Denn Felix Müller wünschte sich: „Wenn das Grab einmal aufgelöst wird, soll der Stein nach Neunkirchen“. Das war uns eine Verpflichtung dem Künstler und der Familie Scherb gegenüber, der wir gerne nachgekommen sind. Nun steht er da!

Den Platz neben der Katharinenkapelle haben wir ausgewählt, weil der Kirchhof um St. Michael einst Begräbnisort war und 1533 mit Einweihung eines neuen, jetzt „Alten Friedhofs“ aufgelassen wurde. Daran soll der Stein an diesem Platz erinnern.

Außerdem ergänzt der Stein das Ensemble von Felix-Müller-Werken um die Kirche: das Metalltor zum Pfarrhaus mit dem Mönchszug, die Kupfertür der Katharinenkapelle, der Lebensbaum am Rathaus und die Fassadengestaltung der Raiffeisenbank.

Das Relief zeigt den aus dem Grab auferstandenen Christus als Sieger vor der aufgehenden Sonne des Ostermorgens. Das Kreuz ist leer und steht hier als Symbol der Auferstehung, der Todesüberwindung, nicht als Holz des Todes. Es steht auf einem angedeuteten menschlichen Schädel, der symbolhaft für den Ort der Kreuzigung, Golgotha = Schädelstätte, steht. Sicherlich hat Felix Müller dabei an die Legende vom Schädel Adams gedacht, der unter dem Standort des Kreuzes in Jerusalem gelegen haben soll. Somit deutet der Künstler Christus als den zweiten Adam, als den Anfang einer neuen Menschheit.

In Laubendorf gab es noch einen zweiten von Felix Müller geschaffenen Grabstein: den vom Grab seiner Eltern, eine frühe Arbeit, denn der Vater starb bereits 1927. Dargestellt ist hier der gekreuzigte Christus. Der Stein befindet sich jetzt am Grab von Felix Müller in Großenbuch.  

Peter Lichtenberger

Foto: Ernst Wölfel

 

AUFGETAUCHT - Werke von Felix Müller in England und ein Besuch aus England.

September 2016 u. Februar 2017 


Sommerblumen in Vase, Ölgemälde, 1930er Jahre

Während seiner Kriegsgefangenschaft war Felix Müller in Merville/Nordfrankreich bei einem Steinmetz beschäftigt. Obwohl andere Soldatenkameraden früher nach Hause durften, musste er bis zum September 1948 bleiben, weil er mit einem deutschen Gefangenen gleichen Namens verwechselt wurde, der im sog. Kriegsverbrecherbuch in Frankreich eingetragen war. 

Für seine Freilassung hat sich das Ehepaar Elisabeth und Brian Vernon von England aus erfolgreich eingesetzt. 

Elisabeth Vernon, geb. Osemann, stammte aus Haltern am See/Westfalen und hatte in den 1930er Jahren in Bamberg in der Brauerei Keesmann als Erzieherin gearbeitet. Wie wir vermuten können, kannte sie Felix Müller aus dieser Zeit. Sie gehörte dem Quickborn-Bund an, einer 1917 gegründeten katholischen Jugendorganisation. 1938 heiratete Elisabeth Osemann nach England. Ihr Ehemann Brian Vernon hat damals für das Britische Government gearbeitet und beim Foreign Office erwirkt, dass die „Internationale Générale des Prisonniers de Guerre“ im August die „Instruction für die sofortige Entlassung des Felix Müller“ erteilte (Brief vom 16. August 1948 an Felix Müller):

  

Am 23. August 1948 schreibt Felix Müller aus der Gefangenschaft an seine Mutter Josefa in Neunkirchen: „Die Leute in England sind mehr wie gut zu mir. Ich werde es ihnen vergelten wenn ich daheim bin. Zeige bitte, bitte den englischen Brief gar niemand!! Ich lege denselben nur bei, damit er hier nicht in verkehrte Hände kommt. u aufheben will [ich] ihn als rührendes Denkmal bester Menschlichkeit. Frau Vernon ist eine wirkliche ‚Elisabeth‘!“ 


Triptychon Hl. Elisabeth, Gouache, ohne Datum

Wohl aus Dankbarkeit übergab Felix Müller damals elf seiner Werke an das Ehepaar Vernon. 

Vermutlich war auch der mit Felix Müller befreundete damalige Bamberger Diözesanjugendseelsorger und Leiter der Jugendarbeit auf Burg Feuerstein, Jupp Schneider, an der „Freilassungsaktion“ beteiligt, denn er gehörte auch zum Quickborn und war schon in den frühen 1930ern mit Felix Müller befreundet. 

Wie auch immer die Drähte gezogen wurden: Felix Müller - im September 1948 aus der Gefangenschaft entlassen - wurde von der Familie Vernon nach England eingeladen und soll schon 1949 (!) dort zu Besuch gewesen sein. 


Portrait Elisabeth Vernon, Gouache, 1950

Elisabeth Vernon hat über die vielen Jahre hin Kontakte zu ihren Bamberger Freunden gepflegt. So war sie bereits 1950 hier zu Besuch, erneut 1962; Felix Müller portraitierte sie im April 1950. Sie starb bereits 1970. Ihr Mann Brian starb 1995 und damit brach der Kontakt nach England ab – im letzten Brief gab es aber eine Information: „Wir haben immer noch die schöne Bilder, die Sie gemalt haben, so lange her. … Die Kinder wollen die Bilder haben“.

Seit 2005 ist das Felix-Müller-Museum auf der Suche nach diesen Bildern. Mehrere Briefe nach England erreichten ihre Adressaten nicht, Anfragen bei der Deutschen Botschaft in London halfen auch nicht weiter, ein Freund des Museums hat in London recherchiert. Alles ohne Erfolg. Und dann meldet sich am 5. September 2016 ein Wilfred Vernon aus England per e-mail und schickt gleich Fotos von Felix-Müller-Werken mit; er hat das Museum im Internet gefunden. Insgesamt elf Werke von Felix Müller, von denen wir nichts wussten, sind bei der Familie Vernon in England: Arbeiten aus den 1930er Jahren, aus seiner Zeit als Soldat 1941/1942 in Russland und aus 1949/1950.

   
Skulptur „Liebende“, ohne Datum / Cadolzburg, Aquarell, 1939 / Portrait eines Mädchens, Russland 1941

 
Russisches Dorf am Dnepr, Kreide, 22.4.1942 (Gesamtansicht und Detail)


Ansicht Neunkirchen mit Blick auf Hetzles, Aquarell, 6.5.1949

  
Portraits Josefa Müller, die Mutter / Felix Müller / Gertrud Müller, alles 1950

Es gibt noch eine weitere Zeichnung "Bildnis eines Mädchens", vermutlich auch in Russland entstanden, von der noch keine Abbildung vorliegt.

Wilfred Vernon, von Freunden Biff genannt, einer der Söhne von Elisabeth und Brian Vernon, war Ende Februar dieses Jahres zu Besuch in Neunkirchen. Bereits 1967 besuchte er als vierzehnjähriger junger Bursche Freunde seiner Mutter in Bamberg und kam nun nach 50 Jahren erneut nach Deutschland, nach Neunkirchen und Bamberg. Zusammen mit seiner Frau Jean (im Bild links) und dem befreundeten Ehepaar Jackie und Martin Scutt besuchten sie auch das Museum:

Es war eine sehr herzliche, freundschaftliche Begegnung. Auf dem Programm standen außerdem eine Begrüßung beim Bürgermeister, die Besichtigung der Michaelskirche und Katharinenkapelle, ein Spaziergang nach Großenbuch zum Kreuzweg in der Kirche und zum Grab von Felix und Gertrud Müller, vorbei an ihrem ehemaligen Wohnhaus im Kellerweg 3. 

Am Folgetag gab es ein Treffen mit Freunden Felix Müllers in Rückersdorf und Neunkirchen und am letzten Tag abschließend einen Besuch bei der Brauerei Keesmann in Bamberg, begrüßt vom Brauereichef.

Eine Begegnung „der besonderen Art“ gab es 1962: Die Erlanger Lehrerin Berta Dennerlein, heuer 82 Jahre alt und schon damals mit Felix Müller bekannt, war auf Besuch bei ihrer in Spanien lebenden Schwester. Dort traf sie per Zufall das Ehepaar Vernon; sie waren auf einer Reise quer durch Europa unterwegs. Man fragte nach dem „woher“ und „wohin“ und es stellte sich heraus, daß die Vernons kurz zuvor bei Felix Müller in Neunkirchen waren und vermutlich auch in der kleinen Küche Felix Müllers saßen, die jetzt im Museum aufgestellt ist. 

Hier um diesen Küchentisch, wo wohl vor 55 Jahren seine Eltern die Gastfreundschaft der Müllers genossen haben, versammelten sich jetzt der Sohn Biff Vernon mit Ehefrau und Freunden:

In geselliger Runde trafen wir uns auch zu einem gemeinsamen Abendessen. Anwesend waren die Gäste aus England sowie die Lehrerin Berta Dennerlein, außerdem Annemarie Gaksch aus Neunkirchen. Sie besuchte 1962 die gastfreundliche Familie Vernon in England, denn ihre in Bamberg lebende Mutter wiederum war mit Elisabeth Vernon befreundet. Ein Treffen von Freunden über Generationen und Länder hin! 

Peter Lichtenberger

Fotos: Marijana Dollack und Wilfred Vernon

 

Ein Marterl in der Effeltricher Flur (15. April 2015)

Es steht am Feldweg von Hetzles nach Effeltrich, an der Weggabelung nach Honings, und steht dort schon 400 Jahre. Dicht dabei ein Gedenkstein für am 15. April 1945 gefallene Soldaten, sieben Angehörige einer Flak-Einheit, darunter drei Jugendliche im Alter von 17/18 Jahren. Es waren die letzten Kriegstage. Am Tag darauf endete mit dem Einmarsch der Amerikaner die Nazi-Diktatur in Neunkirchen.

Sechs der Soldaten starben sofort, der siebte am nächsten Tag. Deren Frauen und Mütter aber mußten ihr Leben lang Leid tragen. Das war der Denkanstoß zur Überlegung, die Bildnische im Marterl mit einem kleinen Bronzerelief von Felix Müller zu versehen, einer Pietà: Der Mutter Jesu wird der tote Sohn in den Schoß gelegt.

Im Besitz des Felix-Müller-Museums und des Marktes waren drei Bronzegüsse dieses Reliefs. Einer davon wurde nun im Marterl „auf ewig“ angebracht und mit einer Segnung am 15. April 2015 als Schenkung den Effeltricher Vereinen feierlich übergeben – 70 Jahre nach dem Ereignis. Die Bevölkerung, Gemeindevertretung und Ortsvereine von Effeltrich waren zu der Feierstunde zahlreich versammelt, als Gäste der 1. Bürgermeister Heinz Richter aus Neunkirchen und der Beauftragte des Felix-Müller-Museums. Gesangverein und Musikkapelle aus Effeltrich gestalteten würdevoll den musikalischen Rahmen.

Gerd Milles aus Effeltrich – er hat 1995 die Aufstellung des Gedenksteines initiiert - erinnerte in einem kleinen Rückblick an die schrecklichen Ereignisse des Tages vor 70 Jahren. Der Museumsbeauftragte Peter Lichtenberger gab eine kurze Einführung zur Bedeutung des kleinen Bronzereliefs.

Eine feierliche Andacht, geleitet von Herrn Geistlichen Rat, Pfarrer Albert Löhr aus Effeltrich, war Mittelpunkt der Veranstaltung und galt der Segnung und Widmung dieses Kunstwerkes.

Die Pietà von Felix Müller ist dem Leid und dem Schmerz der Mütter und Frauen gewidmet, die ihre Söhne und Männer in den Kriegen verloren haben. Als Mahnung und in Erinnerung an diese schreckliche Zeit soll sie dem Wanderer und Vorbeikommenden vor Augen halten, was diese Frauen an Leid zu tragen hatten. Sie soll an dieser Stelle auch an unser aller Gewissen appellieren, aktiv für die friedliche Erhaltung unserer Welt einzutreten.

 

Erneut: großzügige Schenkungen an das Museum

Seit seinem Bestehen wird das Museum immer wieder großzügig mit Schenkungen bedacht. Stellvertretend für alle bisherigen seien hier genannt:
•    Schenkung Asteriades mit 27, großenteils frühen Werken aus den 1930er Jahren. Ein Vermögen!
•    Schenkung Pinzka: 24 größere und kleinere Arbeiten aus der Nachkriegszeit.
•    Schenkung Jugendhaus Düsseldorf aus dem Nachlaß Jupp Schneider: eine Pietà und ein frühes Kruzifix.
•    Schenkung Gerta Schmidt: das Selbstbildnis von 1933 und Ölgemälde „Sonnenuntergang“.

In den letzten Wochen hat das Museum erneut Schenkungen erhalten. Zunächst ein großformatiges Ölgemälde mit herbstlichen Sonnenblumen (1961) aus dem Nachlaß einer Lehrerin aus Bamberg.
Und dann noch ein ganz prominentes Werk, auch aus Bamberg: eine Skulptur aus makellosem Lindenholz, 95 x 35 cm. Dargestellt ist die Hl. Caecilia. Und aus Bayreuth das dazugehörige Gipsmodell.


Foto: Marijana Dollack

In der Mitte die Patronin der Kirchenmusik mit ihrem Instrument, der Orgel. Darunter ein Engel, der ein Spruchband hält mit dem Text: „Laudate Dominum“. Bekrönt wird die Skulptur von drei Medaillons:
•    Links: Weihnachten, dazu der Text „Gloria in excelsis Deo“
•    Rechts: Karfreitag, dazu der Text „Agios o Theos“, ein Hymnus aus der Karfreitagsliturgie
•    In der Mitte: Ostern. Das leere Kreuz, umrahmt von der Sonne des Ostermorgens, dazu der Text „Halleluja“


Damit können wir sehr schön die Entstehung des Werkes dokumentieren:
•    Im Nachlaß von Felix Müller befindet sich dazu die Bleistiftskizze, datiert 17. Mai 1958 (Bild unten links).
•    Als Schenkung das dazugehörige Gipsmodell; das hatten wir leihweise bereits 2007 im Museum in der Sonderausstellung zum 10. Todestag (Bild unten rechts).

   

•    Als Schenkung die endgültige Fassung in Lindenholz. Es ist davon auszugehen, daß sie 1958 entstanden ist.

Den Schenkern sei Dank!
Peter Lichtenberger

SCHNELLSUCHE