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Marktgemeinde

Neunkirchen am Brand

Neues aus dem Felix-Müller-Museum

AUFGETAUCHT - Werke von Felix Müller in England und ein Besuch aus England.

September 2016 u. Februar 2017 


Sommerblumen in Vase, Ölgemälde, 1930er Jahre

Während seiner Kriegsgefangenschaft war Felix Müller in Merville/Nordfrankreich bei einem Steinmetz beschäftigt. Obwohl andere Soldatenkameraden früher nach Hause durften, musste er bis zum September 1948 bleiben, weil er mit einem deutschen Gefangenen gleichen Namens verwechselt wurde, der im sog. Kriegsverbrecherbuch in Frankreich eingetragen war. 

Für seine Freilassung hat sich das Ehepaar Elisabeth und Brian Vernon von England aus erfolgreich eingesetzt. 

Elisabeth Vernon, geb. Osemann, stammte aus Haltern am See/Westfalen und hatte in den 1930er Jahren in Bamberg in der Brauerei Keesmann als Erzieherin gearbeitet. Wie wir vermuten können, kannte sie Felix Müller aus dieser Zeit. Sie gehörte dem Quickborn-Bund an, einer 1917 gegründeten katholischen Jugendorganisation. 1938 heiratete Elisabeth Osemann nach England. Ihr Ehemann Brian Vernon hat damals für das Britische Government gearbeitet und beim Foreign Office erwirkt, dass die „Internationale Générale des Prisonniers de Guerre“ im August die „Instruction für die sofortige Entlassung des Felix Müller“ erteilte (Brief vom 16. August 1948 an Felix Müller):

  

Am 23. August 1948 schreibt Felix Müller aus der Gefangenschaft an seine Mutter Josefa in Neunkirchen: „Die Leute in England sind mehr wie gut zu mir. Ich werde es ihnen vergelten wenn ich daheim bin. Zeige bitte, bitte den englischen Brief gar niemand!! Ich lege denselben nur bei, damit er hier nicht in verkehrte Hände kommt. u aufheben will [ich] ihn als rührendes Denkmal bester Menschlichkeit. Frau Vernon ist eine wirkliche ‚Elisabeth‘!“ 


Triptychon Hl. Elisabeth, Gouache, ohne Datum

Wohl aus Dankbarkeit übergab Felix Müller damals elf seiner Werke an das Ehepaar Vernon. 

Vermutlich war auch der mit Felix Müller befreundete damalige Bamberger Diözesanjugendseelsorger und Leiter der Jugendarbeit auf Burg Feuerstein, Jupp Schneider, an der „Freilassungsaktion“ beteiligt, denn er gehörte auch zum Quickborn und war schon in den frühen 1930ern mit Felix Müller befreundet. 

Wie auch immer die Drähte gezogen wurden: Felix Müller - im September 1948 aus der Gefangenschaft entlassen - wurde von der Familie Vernon nach England eingeladen und soll schon 1949 (!) dort zu Besuch gewesen sein. 


Portrait Elisabeth Vernon, Gouache, 1950

Elisabeth Vernon hat über die vielen Jahre hin Kontakte zu ihren Bamberger Freunden gepflegt. So war sie bereits 1950 hier zu Besuch, erneut 1962; Felix Müller portraitierte sie im April 1950. Sie starb bereits 1970. Ihr Mann Brian starb 1995 und damit brach der Kontakt nach England ab – im letzten Brief gab es aber eine Information: „Wir haben immer noch die schöne Bilder, die Sie gemalt haben, so lange her. … Die Kinder wollen die Bilder haben“.

Seit 2005 ist das Felix-Müller-Museum auf der Suche nach diesen Bildern. Mehrere Briefe nach England erreichten ihre Adressaten nicht, Anfragen bei der Deutschen Botschaft in London halfen auch nicht weiter, ein Freund des Museums hat in London recherchiert. Alles ohne Erfolg. Und dann meldet sich am 5. September 2016 ein Wilfred Vernon aus England per e-mail und schickt gleich Fotos von Felix-Müller-Werken mit; er hat das Museum im Internet gefunden. Insgesamt elf Werke von Felix Müller, von denen wir nichts wussten, sind bei der Familie Vernon in England: Arbeiten aus den 1930er Jahren, aus seiner Zeit als Soldat 1941/1942 in Russland und aus 1949/1950.

   
Skulptur „Liebende“, ohne Datum / Cadolzburg, Aquarell, 1939 / Portrait eines Mädchens, Russland 1941

 
Russisches Dorf am Dnepr, Kreide, 22.4.1942 (Gesamtansicht und Detail)


Ansicht Neunkirchen mit Blick auf Hetzles, Aquarell, 6.5.1949

  
Portraits Josefa Müller, die Mutter / Felix Müller / Gertrud Müller, alles 1950

Es gibt noch eine weitere Zeichnung "Bildnis eines Mädchens", vermutlich auch in Russland entstanden, von der noch keine Abbildung vorliegt.

Wilfred Vernon, von Freunden Biff genannt, einer der Söhne von Elisabeth und Brian Vernon, war Ende Februar dieses Jahres zu Besuch in Neunkirchen. Bereits 1967 besuchte er als vierzehnjähriger junger Bursche Freunde seiner Mutter in Bamberg und kam nun nach 50 Jahren erneut nach Deutschland, nach Neunkirchen und Bamberg. Zusammen mit seiner Frau Jean (im Bild links) und dem befreundeten Ehepaar Jackie und Martin Scutt besuchten sie auch das Museum:

Es war eine sehr herzliche, freundschaftliche Begegnung. Auf dem Programm standen außerdem eine Begrüßung beim Bürgermeister, die Besichtigung der Michaelskirche und Katharinenkapelle, ein Spaziergang nach Großenbuch zum Kreuzweg in der Kirche und zum Grab von Felix und Gertrud Müller, vorbei an ihrem ehemaligen Wohnhaus im Kellerweg 3. 

Am Folgetag gab es ein Treffen mit Freunden Felix Müllers in Rückersdorf und Neunkirchen und am letzten Tag abschließend einen Besuch bei der Brauerei Keesmann in Bamberg, begrüßt vom Brauereichef.

Eine Begegnung „der besonderen Art“ gab es 1962: Die Erlanger Lehrerin Berta Dennerlein, heuer 82 Jahre alt und schon damals mit Felix Müller bekannt, war auf Besuch bei ihrer in Spanien lebenden Schwester. Dort traf sie per Zufall das Ehepaar Vernon; sie waren auf einer Reise quer durch Europa unterwegs. Man fragte nach dem „woher“ und „wohin“ und es stellte sich heraus, daß die Vernons kurz zuvor bei Felix Müller in Neunkirchen waren und vermutlich auch in der kleinen Küche Felix Müllers saßen, die jetzt im Museum aufgestellt ist. 

Hier um diesen Küchentisch, wo wohl vor 55 Jahren seine Eltern die Gastfreundschaft der Müllers genossen haben, versammelten sich jetzt der Sohn Biff Vernon mit Ehefrau und Freunden:

In geselliger Runde trafen wir uns auch zu einem gemeinsamen Abendessen. Anwesend waren die Gäste aus England sowie die Lehrerin Berta Dennerlein, außerdem Annemarie Gaksch aus Neunkirchen. Sie besuchte 1962 die gastfreundliche Familie Vernon in England, denn ihre in Bamberg lebende Mutter wiederum war mit Elisabeth Vernon befreundet. Ein Treffen von Freunden über Generationen und Länder hin! 

Peter Lichtenberger

Fotos: Marijana Dollack und Wilfred Vernon

 

Ein Marterl in der Effeltricher Flur (15. April 2015)

Es steht am Feldweg von Hetzles nach Effeltrich, an der Weggabelung nach Honings, und steht dort schon 400 Jahre. Dicht dabei ein Gedenkstein für am 15. April 1945 gefallene Soldaten, sieben Angehörige einer Flak-Einheit, darunter drei Jugendliche im Alter von 17/18 Jahren. Es waren die letzten Kriegstage. Am Tag darauf endete mit dem Einmarsch der Amerikaner die Nazi-Diktatur in Neunkirchen.

Sechs der Soldaten starben sofort, der siebte am nächsten Tag. Deren Frauen und Mütter aber mußten ihr Leben lang Leid tragen. Das war der Denkanstoß zur Überlegung, die Bildnische im Marterl mit einem kleinen Bronzerelief von Felix Müller zu versehen, einer Pietà: Der Mutter Jesu wird der tote Sohn in den Schoß gelegt.

Im Besitz des Felix-Müller-Museums und des Marktes waren drei Bronzegüsse dieses Reliefs. Einer davon wurde nun im Marterl „auf ewig“ angebracht und mit einer Segnung am 15. April 2015 als Schenkung den Effeltricher Vereinen feierlich übergeben – 70 Jahre nach dem Ereignis. Die Bevölkerung, Gemeindevertretung und Ortsvereine von Effeltrich waren zu der Feierstunde zahlreich versammelt, als Gäste der 1. Bürgermeister Heinz Richter aus Neunkirchen und der Beauftragte des Felix-Müller-Museums. Gesangverein und Musikkapelle aus Effeltrich gestalteten würdevoll den musikalischen Rahmen.

Gerd Milles aus Effeltrich – er hat 1995 die Aufstellung des Gedenksteines initiiert - erinnerte in einem kleinen Rückblick an die schrecklichen Ereignisse des Tages vor 70 Jahren. Der Museumsbeauftragte Peter Lichtenberger gab eine kurze Einführung zur Bedeutung des kleinen Bronzereliefs.

Eine feierliche Andacht, geleitet von Herrn Geistlichen Rat, Pfarrer Albert Löhr aus Effeltrich, war Mittelpunkt der Veranstaltung und galt der Segnung und Widmung dieses Kunstwerkes.

Die Pietà von Felix Müller ist dem Leid und dem Schmerz der Mütter und Frauen gewidmet, die ihre Söhne und Männer in den Kriegen verloren haben. Als Mahnung und in Erinnerung an diese schreckliche Zeit soll sie dem Wanderer und Vorbeikommenden vor Augen halten, was diese Frauen an Leid zu tragen hatten. Sie soll an dieser Stelle auch an unser aller Gewissen appellieren, aktiv für die friedliche Erhaltung unserer Welt einzutreten.

 

Erneut: großzügige Schenkungen an das Museum

Seit seinem Bestehen wird das Museum immer wieder großzügig mit Schenkungen bedacht. Stellvertretend für alle bisherigen seien hier genannt:
•    Schenkung Asteriades mit 27, großenteils frühen Werken aus den 1930er Jahren. Ein Vermögen!
•    Schenkung Pinzka: 24 größere und kleinere Arbeiten aus der Nachkriegszeit.
•    Schenkung Jugendhaus Düsseldorf aus dem Nachlaß Jupp Schneider: eine Pietà und ein frühes Kruzifix.
•    Schenkung Gerta Schmidt: das Selbstbildnis von 1933 und Ölgemälde „Sonnenuntergang“.

In den letzten Wochen hat das Museum erneut Schenkungen erhalten. Zunächst ein großformatiges Ölgemälde mit herbstlichen Sonnenblumen (1961) aus dem Nachlaß einer Lehrerin aus Bamberg.
Und dann noch ein ganz prominentes Werk, auch aus Bamberg: eine Skulptur aus makellosem Lindenholz, 95 x 35 cm. Dargestellt ist die Hl. Caecilia. Und aus Bayreuth das dazugehörige Gipsmodell.


Foto: Marijana Dollack

In der Mitte die Patronin der Kirchenmusik mit ihrem Instrument, der Orgel. Darunter ein Engel, der ein Spruchband hält mit dem Text: „Laudate Dominum“. Bekrönt wird die Skulptur von drei Medaillons:
•    Links: Weihnachten, dazu der Text „Gloria in excelsis Deo“
•    Rechts: Karfreitag, dazu der Text „Agios o Theos“, ein Hymnus aus der Karfreitagsliturgie
•    In der Mitte: Ostern. Das leere Kreuz, umrahmt von der Sonne des Ostermorgens, dazu der Text „Halleluja“


Damit können wir sehr schön die Entstehung des Werkes dokumentieren:
•    Im Nachlaß von Felix Müller befindet sich dazu die Bleistiftskizze, datiert 17. Mai 1958 (Bild unten links).
•    Als Schenkung das dazugehörige Gipsmodell; das hatten wir leihweise bereits 2007 im Museum in der Sonderausstellung zum 10. Todestag (Bild unten rechts).

   

•    Als Schenkung die endgültige Fassung in Lindenholz. Es ist davon auszugehen, daß sie 1958 entstanden ist.

Den Schenkern sei Dank!
Peter Lichtenberger

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