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Nordbayerische Nachrichten - 21.03.2007
Spiel mit dem Können
Spiel mit dem Können
„Klezmers Techter“ musizierten in Ermreuth



„Klezmers Techter”, Deutschlands einziges weibliches Klezmer-Trio, ist zur Zeit mit der „Roten Hora”, ihrer dritten CD, auf Tournee. In der voll besetzten Ermreuther Synagoge konnte Rajaa Nadler sie bereits zum zweiten Mal begrüßen.
Klezmer heißt übersetzt etwa „Gefäß des Gesangs”. Sein besonderes Stilmerkmal ist die Imitation der menschlichen Stimme. Kein Instrument kann das besser als die Klarinette: Kichern und schnattern, himmelhoch jauchzen, herzzerreißend schluchzen. Und keiner hat das so virtuos demonstriert wie Giorgi Feidmann. Gabriela Kaufmann, die Klarinettistin des Trios, war seine Schülerin. Aber sie hat auch schon mit Hans Werner Henze und Karlheinz Stockhausen zusammengearbeitet.

Renommierte Künstlerinnen
Die weitere Besetzung ist eher ungewöhnlich: Sabine Döll spielt verschiedene Querflöten, gelegentlich auch den Kontrabass, und Franca Lampe ist eine begnadete Akkordeonistin. Alle drei sind Musica-viva-Dozentinnen und internationale Kammermusik- Preisträgerinnen.
Auf dem Programm in Ermreuth standen mehrere Stücke des amerikanischen Klarinettisten Dave Tarras (1897 bis 1989), chassidische Tänze, ein fingerbrecherischer KlezmerHummelflug, der schnelle Springtanz Kolomeyke aus der Ukraine: Atemberaubende Läufe, jubilierende Triller, launige Scherzo-Attitüden. Melancholischer die Latino-Weisen des bulgarisch- moldavischen Bulgar.
Voller Schwermut der langsame Bavno Pomashko, der auch ohne schluchzenden Fidelklang dem Zuhörer die Seele aus dem Leib zieht. Dazwischen Eigenkompositionen wie der sonnige, musetteartige SMS-Ländler von Franka Lampe. Zum Schluss ein virtuoses Stück von Naftule Brandwein.
So wunderbar mitreißend die jiddische Tanzmusik aus den osteuropäischen Schtetln ist: Diese drei brillanten Musikerinnen als Klesmorim zu bezeichnen, wäre schlicht eine Untertreibung. Zu gediegen ist ihre kammermusikalische Ausbildung, zu virtuos ihr solistisches Können, zu originell sind die Arrangements.
Diese dörflichen Hochzeitstänze zelebrieren in Wahrheit die Hochzeit von traditioneller jiddischer Melodik mit konzertantem Jazz. Als Trauzeugen fungieren kammermusikalische Elemente von Bach bis Henze. Da fehlen auch dissonante Akkorde nicht, wie es sich für eine Hochzeit gehört. Dennoch ist die stilistische Orientierung am jiddischen Sound immer präsent.
Abwechselnd treten die drei Musikerinnen solistisch in den Vordergrund, getragen von Stakkato-Bass-Akkorden. Es gibt neckische Dialoge, besonders reizvoll, wenn Querflöte und Bass-Klarinette miteinander kommunizieren. Der instrumentale Klatsch und Tratsch, begleitet von tänzerischer Körpersprache und schelmischer Mimik, gipfelt in scheinbar chaotischem Durcheinander, einem Chassidl- dum auf höchstem musikalischen Niveau

Leichtigkeit auf hohem Niveau
Am verblüffendsten aber ist die Selbstverständlichkeit, mit der diese unterschiedlichen musikalischen Traditionen zusammenfinden, und die übermütige Leichtigkeit des Zusammenspiels der munteren drei Damen unter dem Doppeldelta des Davidsterns.
Da ist nichts mehr zu spüren von den rhythmischen Schwierigkeiten ihres präzisen Wechselspiels und der akribischen Probenarbeit, die dahinter steht, nur noch die pure Lust am gemeinsamen Musizieren. Entsprechend war die Begeisterung des Publikums. MANFRED SCHWAB