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Felix-Müller-Museum Liste Sonderausstellungen

Felix Müller - Die Jahre seiner Kriegsgefangenschaft 1945 – 1948

Sonderausstellung vom 2. Dezember 2005 bis 26. Februar 2006
Ausstellungseröffnung am Freitag, 2. Dezember 2005, 19 Uhr


Weihnachtstriptychon, Bleistift, 22,5 x 12,5 cm, 8. Juli 1946

Felix Müller war bis zum August 1948 in Kriegsgefangenschaft, zunächst 3 Monate in Mons/Belgien, danach in Nordfrankreich. Er verbrachte 10 Monate in Dünkirchen; ungefähr ab Mai 1946 war er dann in Merville, das ist in der Nähe von Lille. Hier arbeitete er zusammen mit zwei weiteren deutschen Kriegsgefangenen bis zu seiner Entlassung aus der Gefangenschaft im August 1948 bei dem Grabsteinmacher Liard. 
Über landesübliche Gebräuche schreibt er im April 1947 an seine Mutter: „ ... Es ist in Frankreich so: Es gibt, wenn jemand begraben wird keine Kränze. Dafür wird eine Marmortafel mitgetragen die dem Gedächtnis des Verblichenen gehört. Ich mache da jedesmal einen neuen Entwurf. Immer anders u immer ein neues Symbol dazu. Gehört die Tafel für eine Frau oder Mutter, dann forme ich ein brennendes Herz, das gute Mutterherz! Und Rosen umwachsen es. Das war etwas neues u ist gewiß jedesmal ergreifend u schön. Wohl über 150 solcher Tafeln habe ich schon gestaltet.“


Grabtafel von Felix Müller, Friedhof Merville

Die Sonderausstellung zeigt eine kleine Photodokumentation über Merville und die Arbeit bei dem Grabsteinmacher, auch einige Photos von seinen Grabtafeln. Den Schwerpunkt der Ausstellung bilden aber seine Zeichnungen und Skizzen, die in diesen Jahren entstanden sind: „... 10 Monate Dünkirchen, 10 Monate am Meer. Ich zeichnete auf Tapetenfetzen mit geliehenem Bleistift. Eine Armut, aber sie wurde verklärt durch die Kunst.“
Was den Stil seiner damaligen Arbeiten betrifft, schreibt er seiner Mutter am 9. April 1947: „... Wenn Du meine neuesten Entwürfe sehen würdest, das gebe eine Sensation in einer Ausstellung. Du dürftest jetzt nicht mehr sagen: Mach es nicht gar so arg! Ich mache es nicht mehr arg expressionistisch.“ 
Am 28. August 1947 schreibt er: „Ich möchte doch noch die 500 Blatt voll bringen“; es wurden dann noch mehr - an die 600. Diese Blätter, kleine Skizzen und Zeichnungen, hat er seiner Mutter geschickt. Ein Großteil davon befindet sich jetzt im Museum, und eine Auswahl werden wir zeigen. Diese Auswahl wird gegliedert sein in die Themen:

  • Minnegesang und Märchen
  • Sebastian, Franziskus, Antonius, Elisabeth, Katharina u.a. - eine ganze Heiligenversammlung
  • Verkündigung, Christgeburt, Hl. Drei Könige und Flucht nach Ägypten
  • Passion und Auferstehung

Nicht mehr vorhanden sind leider seine Naturstudien aus diesen Jahren: „... So schöne Dinge waren dabei, Rosen u alle Blumen. Ich hatte die kleine Mappe in der Werkstatt aufbewahrt, wie ich eines Tages nachschaue - ist sie weg. Gestohlen hat sie mir ein Lump. Nun gut, daß der Kerl nicht mehr vom Urlaub kam.“ 
Die überwiegend kleinformatigen Skizzen und Zeichnungen werden im Dialog mit Skulpturen und Reliefs präsentiert, die in den folgenden Jahren entstanden sind. Er schreibt ja: „Alles wirkt still in mir weiter“. So zeigen wir u.a. die 1947 gezeichneten Entwürfe für einen Kreuzweg und dazu als Leihgabe einige Tafeln des daraus 1968 entstandenen Kreuzwegs für das Kirchlein in Großenbuch.


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