Felix-Müller-Museum Liste Sonderausstellungen

Agnes Schürr, Gefährtin Felix Müllers und Sammlerin seiner Werke

Ausstellung 5. September – 24. Oktober 2021

Vierzehn Kunstwerke wurden im November 2020 aus dem ehemaligen Besitz von Agnes Schürr erworben. Sie stammen aus der Hand von Felix Müller. Ausnahme ist das expressionistische Aquarell einer Beweinung Christi, die vermutlich von Agnes Schürr gemalt wurde. Es korrespondiert in der Ausstellung mit Müllers Pietà-Werken aus derselben Zeit. Das Felix-Müller-Museum besitzt nun 32 Arbeiten aus dem Nachlass von Agnes Schürr. Gezeigt werden Porträts, Marien- und Heiligendarstellungen, Landschaften, musikalische Sujets und Blumenstillleben.

Schürr ist der Name einer wappenführenden Familie aus Herzogenaurach. Agnes Schürr (1899-1989) war die zweite von acht Töchtern des Lehrers Hans Schürr und dessen Frau Margarethe. Tochter Agnes arbeitete in Nürnberg als erste Bayerische Postinspektorin, als sie Felix Müller kennenlernte. Anlass war vermutlich dessen Präsentation von Aquarellen in der Buchhandlung Tauer, die dem Mann ihrer Schwester Emilie gehörte.

Felix Müller erlebte damals seine ersten Ausstellungserfolge als freischaffender Bildhauer und Maler mit eigener Werkstatt in Laubendorf. Sein Selbstporträt von 1933 - grünliches Inkarnat in vibrierend-expressivem Duktus – zeigt den 28jährigen mit dem intellektuellen Gestus des Denkers. Etwa zu dieser Zeit begannen die Nazis die expressionistische Kunst, der sich Müller verwandt fühlte, zu diskreditieren.

Seine Freundin Agnes porträtierte er mit Hut, Schal und leicht ausweichendem Blick. Doch die Datierung „20. Oktober 1937“ und der Zusatz „5 Minuten über ½ 11 Uhr nachts“ verraten den sehr privaten Anlass der Zeichnung: Felix Müller schuf sie in der Nacht vor seinem 33. Geburtstag mit sehr energisch und sicher geführten Bleistiftstrichen. Das im Vergleich daneben stehende Foto Agnes Schürrs zeigt eine junge, hübsche Frau mit weicheren Zügen und sensiblerem Blick, aber fest geschlossenen Lippen.

Der Namenspatronin Agnes widmete Felix Müller ein kleines Triptychon. Es zeigt die Heilige, flankiert von Szenen ihres Martyriums, mit einem Lamm, das, aufgrund der Namensähnlichkeit mit dem lateinischen "agnus"=Lamm, ihr Erkennungszeichen und zugleich Hinweis auf das schuldlose Opferlamm Christi ist. Die dominierende Farbwahl Rot und Weiß unterstreicht die Passion und die Reinheit des Opfers symbolisch. Die Rückseite des Bildchens trägt die Aufschrift "Agnes Schürr, Nordostbahnhof Nbg", dem damaligen Wohnort der Besitzerin.

In außergewöhnlichen Zeichnungen führte Felix Müller die Auseinandersetzung mit dem Martyrium des hl. Sebastian vor seiner eigenen Einberufung als Soldat und während seiner Gefangenschaft in Frankreich. Es scheint, als habe er sich mit diesem Heiligen identifiziert und seine Pein und Hilflosigkeit mit dem an den Baum gefesselten und von Pfeilen durchbohrten christlichen Märtyrer ausgedrückt.

Die politischen Umstände bescherten Felix Müller und Agnes Schürr keine unbeschwerte gemeinsame Zeit. Dennoch schuf er damals eine seiner schönsten Skulpturenerfindungen: das Nocturno - gewissermaßen die Bildformel für die liebende Verbindung zweier Menschen. Ein Kunstwerk, das berühmten Schöpfungen zum Thema "Kuss", wie von Peter Behrens und Gustav Klimt, ebenbürtig ist und nicht zuletzt die Illumination aus der Manesse'schen Liederhandschrift in einem neuen Sinne interpretiert.

Auch in ihrer Liebe zur Musik waren Agnes Schürr und Felix Müller einander verbunden. Er bewunderte ihre Sopranstimme bei gemeinsamen Gottesdienstbesuchen in der Nürnberger Frauenkirche. Familiäre Anlässe begleitete sie auf dem Flügel. Er selbst spielte Geige, wie der kleine Musikengel zu Füßen der Heiligen Cäcilia, einer Lindenholzskulptur der Musikpatronin aus Privatbesitz. Ein um 1936 entstandenes großes, farbiges Relief der Heiligen Cäcilia vermittelt harmonisch-melodische Beschwingtheit.

Einige Zeit nach der Heimkehr Felix Müllers 1948 aus der Kriegsgefangenschaft endete die persönliche Beziehung zu Agnes Schürr, nicht aber der Kontakt an sich, wie drei große, neu aus dem Schürr-Nachlass erworbene Blumenbilder aus den 1970er Jahren belegen.

Als Felix Müller 1989 die Nachricht von dem Tod seiner einstigen Gefährtin erhält, schreibt er ihrer Schwester Gertraud Schmidt am 20. März: "Es war mir eine solche Freude für sie zu schaffen, leider schenkte sie dann vieles, allzu vieles weg. Das gute Herz! Es war eine so glückliche Zeit mit ihr. Des Schaffens, des Lebens, der Liebe. Ich wäre arm gewesen, wenn dieselbe nicht geworden sei(!)…"

Die Ausstellung ist geöffnet sonntags 15 – 17 Uhr und montags (ausgenommen feiertags) 10 – 14 Uhr.

Führungen finden auf Nachfrage statt: Tel.: 09134 / 908042 oder 09561 / 4274359 oder per Mail: regina.urban@neunkirchen-am-brand.de

(Fotos: Harry Roth)


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