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Neunkirchen am Brand

Projekt: Neukonzeption der Dauerausstellung in der Synagoge Ermreuth

 

Die Synagoge wurde ca. 1730 erbaut, nach 1930 als Lagerhaus genutzt und in den Jahren 1992-94 restauriert.

Die Exponate der Dauerausstellung wurden während der Restaurierungsarbeiten im DG des Gebäudes gefunden (Genisa).

Die Dauerausstellung befindet sich im 1.OG des Gebäudes auf der ehemaligen Frauenempore.

 

Antrags-Nr.: LE4-5706

Betriebsnummer: 474 154 0264

 

Bauherr:

Zweckverband Synagoge Ermreuth
Klosterhof 2-4
91077 Neunkirchen am Brand
zuständig: Bauverwaltung Herr K. Singer
Tel: +49 9134 705-33
Fax: +49 9134 705-39

 

Adresse Museum/Synagoge:

Synagoge Ermreuth
Wagnergasse 8
91077 Neunkirchen am Brand / Ermreuth

 

Inhaltliche Projektleitung:

Dr. Raja Nadler
Zweckverband Synagoge Ermreuth
Klosterhof 2-4
91077 Neunkirchen am Brand
Tel: +49 9134 705-41
Fax: +49 9134 705-80
e-Mail: Rajaa.Nadler@neunkirchen-am-brand.de

 

Planung und Ausschreibung Ausstellung:

kochbüro
Christian Koch
Alexander Kubatzky
Steinstr. 21
90419 Nürnberg
Tel: +49 911 372 90 142
Fax: +49 911 372 90 146
eMail: koch@kochbuero.de

 

Neugestaltet sind:

Außenbereich der Synagoge

Im Außenbereich wurde die kleine, bestehende Hausinformation durch eine Tafel mit ausführlicheren Gebäudeinformation ersetzt: „Synagoge Ermreuth, Ausstellung - Veranstaltungsort“, Öffnungszeiten, Führungen und Anlaufstelle für weitere Informationen.

 

Eingangsbereich

Der mit nur einer kleinen Vitrine für den Shop ausgestattete Eingangsbereich wurde komplett umgestaltet und für den Besucher deutlich verbessert. Es wurden eine aufklappbare Empfangstheke, ein Informationstableau für Flyer und Plakate sowie eine Vitrine mit Stauraum für die Präsentation von Publikationen und Artikeln aus dem Museumsshop eingebaut.

Eine Glastafel mit großflächiger Bildgrafik der Synagoge (die diese im Zustand vor der Restaurierung zeigt) und mit Hinweis auf die heutigen Funktionen des Hauses: „Synagoge Ermreuth, Ausstellung – Veranstaltungsort“, verdeckt nunmehr die zur Wiederweihe am 19. Juni 1994 eingebaute Gedenktafel.

Das alte Waschbecken wurde komplett entfernt und durch eine kleine mobile Ablagefläche ersetzt, dass bei Bedarf mit Wasserkrug und Waschschüssel bestückt werden könnte. Waschbecken und Wasserhahn mussten entfernt werden, da der per Bewegungssensor gesteuerte Wasserhahn jedes Mal durch die vorbeigehenden Besucher unnötigerweise ausgelöst wurde.

Obergeschoss (ehemalige Frauenempore)

Die Dauerausstellung befindet sich im Obergeschoss auf der ehemaligen Frauenempore.

Die neuen Ausstellungsvitrinen für die Dauerausstellung ersetzen die alten, für museale Zwecke nur bedingt geeigneten Vitrinen. Diese bestehen zum einen aus zwei waagrechten, unterhalb der Fenster installierten, sich jeweils über die gesamte Gebäudelängsseite erstreckenden Vitrinen mit folgenden Themen: „Die jüdische Gemeinde Ermreuth“ und „Religion, Glaube, Frömmigkeit“. Zum anderen aus zwischen den Fenstern angebrachten Wandvitrinen.

Neu sind ein Tischelement für „die architektonischen Elemente der Synagoge“ begleitet von Texten und Grafiken, und eine Tableau-Vitrine für das Thema „Hausgeschichte“ mit einer integrierten Vitrine für das Thema „Genisa“.

 

Beleuchtung

Die Ausstellungsbeleuchtung und die Beleuchtung des Eingangsbereichs ist durch maßgefertigte, von der Decke abgependelte LED-Leuchten ausgeführt. Diese Variante hat sich als gut und sinnvoll erwiesen, denn zum einen erscheinen die Exponate dadurch in einem neuen Licht und die Begleittexte können problemlos gelesen werden, zum anderen wirken auch die Räumlichkeiten, vor allem der Eingangsbereich, viel freundlicher und einladender.

 

Lichtschutz

Durch die an den Fenstern im OG angebrachten Lichtschutzfolien ist der Raum zwar etwas dunkler geworden, doch sind die Exponate durch die erheblich reduzierte UV-Einstrahlung deutlich besser geschützt.

 

Im Folgenden eine Übersicht über die Ausstellungsthemen auf der Frauenempore im Obergeschoss:

Ausstellungseinheit Elemente der Synagoge (auf der breiten Seite der Empore)

Ausstellungseinheit Hausgeschichte (westliche Innenwand)

Die Darstellung folgt der Gebäudechronologie von 1822 bis nach 1994, begleitet von Dokumenten und Fotos.

Ausstellungseinheit Jüdische Gemeinde (westliche Außenwand und nördliche Außenwand)

Zentrales Element ist ein Ortsplan von Ermreuth, auf dem die jüdischen Einrichtungen wie Synagoge, Schule, Gemeindehaus, Schulhaus, Mikwe und jüdische Wohnhäuser eingezeichnet sind. Grafische Basis hierfür sind die Katasterpläne von 1809, 1848 und 1864.

Die zentralen Themen der Jüdischen Gemeinde beruhen auf Archivalien, Nachlassenschaften von Nachkommen jüdischer Gemeindemitglieder, vor allem aber auf dem Inhalt der „Genisa“ und sind in Texten, Dokumenten und Fotos belegt. Sie behandeln die Geschichte der Jüdischen Gemeinde und deren Entwicklung im Zeitraum von 1664 – 1938.

Herausragende Themen sind Familiengeschichten, Vertreibung, Auflösung und das Ende der jüdischen Gemeinde, begleitet von schriftlichen Berichten und Filmmaterial.

Ausstellungseinheit Glaube und Religion (südliche Außenwand)

Die Exponate zu diesem Thema stammen größtenteils aus der „Genisa“ vom Dachboden der Synagoge Ermreuth sowie von Nachkommen jüdischer Bürger aus Ermreuth. Hauptthemen dabei sind:

1. Feste im Jahreskreis wie Pessach und Schawuot, Laubhüttenfest und Chanukka.

2. Lebenszyklusfeste wie Bar-Mizwa, Hochzeit, Tod und Trauer.

Am Ende dieser Ausstellungseinheit ist eine audiovisuelle Station eingebaut.

Konzeptionelle Anpassungen

Die Grundlage für die Planung und Durchführung der Neugestaltung der bestehenden Dauerausstellung in der Synagoge Ermreuth bildete das Feinkonzept der Museumsleiterin Dr. Nadler vom September 2016. Bei der Realisierung dieses Feinkonzepts musste jedoch gelegentlich davon abgewichen werden. So wurde z. B. die ursprünglich geplante Touchscreen-Station, die die gesamte Ausstellung in elektrischer Form umfassen und Platz für neue Informationen schaffen sollte, wegen Platzmangel, Aufwand und hohen Kosten nicht berücksichtigt. Stattdessen wurde eine Tischvitrine für die Elemente der Synagoge mit Texten und Abbildungen aufgestellt.

Auch die im Feinkonzept geplante Konstruktion für die Darstellung der „Genisa“ und deren Fundort, der Dachboden, gleich neben dem Eingang zum OG wurde aus Platzgründen verworfen. Stattdessen wurde sie in eine Teilvitrine im Tableau für die Hausgeschichte an der Innenseite des Treppenaufgangs integriert.

Die ursprünglich geplanten vier Hörstationen mit Sitzmöglichkeiten sind durch zwei audiovisuelle Computerstationen ersetzt worden. Ebenso fand letztendlich auch die geplante Kinderstation mit den bereits erstellten Schüler-Audioguides keine Berücksichtigung.

Neu hinzugekommen sind indes Stoffabdeckungen als zusätzlicher Schutz sowohl für die Vitrinen als auch für die in den Vitrinen ausgestellten, lichtempfindlichen Exponate aus der „Genisa“. Dies hat sich im Nachhinein als gute Entscheidung erwiesen, weil dadurch u.a. die Glasscheiben vor dem Zerkratzen durch die von der Decke herunterfallenden Putzpartikel geschützt werden. 

 

Fazit

Die neukonzipierte Dauerausstellung erweist sich alles in allem als eine moderne, zeitgemäß gestaltete und besucherfreundliche, trotz der eingangs erwähnten Weglassungen. So kann insgesamt gesagt werden, dass die ursprünglich gesteckten Ziele (Präsentation jüngerer Zeitgeschichte in historischem Kontext) weitestgehend erreicht wurden und somit die in sie getätigten Investition vollkommen gerechtfertigt sind.

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