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Nordbayerische Nachrichten - 23.11.2010
Leserbrief: Politiker ignorieren Protest

Betrifft: „Westumgehung muss bald kommen“ (NN vom 12. November)

Mit Verwunderung bis Verärgerung konnten Neunkirchener in den Nordbayerischen Nachrichten lesen, dass der Landtagsabgeordnete Nöth (CSU) im Namen von ganz Neunkirchen den raschen Bau der Westumgehung beim Innenministerium einfordert. Dabei sind Herrn Nöth sowohl die 800 Neunkirchener Unterschriften mit einer Fülle von Kritikpunkten und Bedenken gegen die Trasse bekannt, welche bisher nicht entkräftet werden konnten. Auch war Herr Nöth persönlich bei der Ebersbacher Dorfgemeinschaft und konnte sich dort vor Ort vom massiven Verlust bester Acker- und Waldflächen sowie den gravierenden Einschnitten in Natur und Landwirtschaft überzeugen. Mitgenommen hat er anscheinend aber nur, was er vorab hören wollte – die Umgehung wäre notwendig und gewollt, wenn nicht hier, dann eben dort.
Das stimmt aber nicht, weder für die Ebersbacher Bauern, noch für einen großen Teil der Neunkirchner Bürger. Die Notwendigkeit der Straße konnte mit den jüngsten Verkehrszählungen des Staatlichen Bauamtes im Frühjahr dieses Jahres widerlegt werden. Der Gesamtverkehr ist abnehmend, im Regionalverkehr werden zunehmend kleinere Lkw eingesetzt, die durchaus die Neunkirchener Tore auf der Staatsstraße passieren können. Die vorübergehende Umleitungsstrecke über Igensdorf bis nach Gaiganz wurde an einem normalen Zähltag nachgewiesener Maßen nur von 30 zusätzlichen großen Lkw befahren – und das im Vergleich mit den offiziellen Zahlen aus dem Jahr 2005. Die Gefährdungsstellen im Ort Neunkirchen sind nicht durch die Westumgehung zu beheben, sondern nur mit baulichen Maßnahmen vor Ort und könnten sofort entschärft werden. Allein die politisch Verantwortlichen halten trotz aller Proteste und Alternativvorschläge am alten Konzept fest, der Straßenbau sei wirtschaftlich notwendig. Ein Umdenken im Ressourcenverbrauch, Wirtschaftskonzepte ohne Schwerverkehr, Erhalt von wertvollen Naturflächen, Senken von Verkehr und Emissionen, Stärken der öffentlichen Nahverkehrsverbindungen – all das scheint nur in Wahl- oder Sonntagsreden, nicht jedoch im politischen Handeln relevant.
Solange Einwände der Bürger auf diese Art totgeschwiegen und verdrängt werden, brauchen sich politisch Verantwortliche nicht über wachsende Protestbewegungen, sowie Vertrauensverlust in einzelne Personen, Parteien oder auch in Planungsverfahren zu wundern.
Bürgernähe zeigt sich im Zuhören, Diskutieren und Finden von gemeinsamen, für alle akzeptablen Lösungen. Das ist vielleicht nicht leichter, aber sicher effektiver als plakative offene Briefe.
Die Bürgerinitiative MUNk e.V. ist für diese inhaltliche und sachliche Diskussion bereit.

Bettina Wittmann, Vorsitzende Bürgerinitiative modernes und umweltbewusstes Neunkirchen e.V.