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Nordbayerische Nachrichten - 23.11.2010
Leserbrief: Kein „weiter und durch“

Betrifft: „Westumgehung muss bald kommen“ (NN vom 12. November)

Der Bund Naturschutz (BN) stellt aufgrund des Berichtes in der NN vom 12. November fest, dass es Herr Nöth (Md L, CSU) nicht wahrhaben will, dass längst nicht mehr ganz Neunkirchen Herrn Innenminister Herrmann bei der Schenkung einer Westumgehung zur Wahrung eines Regional-Proporzes im Staatsstraßenbau nachbarschaftlich oder gar blind vertraut. Wie konnte er nur eine breite Allianz aus vielen Neunkirchener Bürgern, aus Ebersbacher Landwirten, der Bürgeriniative Munk e.V. und der Ortsgruppe des Bundes Naturschutz in Bayern e.V. übersehen, zuletzt vereint am 16. Oktober bei einer Aktion zum Schutz des Ebersbachtals?
Nach wie vor, und es wird immer offensichtlicher, ist das Fehlen einer fundierten Notwendigkeitsbegründung. Die ohnehin geringe Verkehrsbelastung ist in fünf Jahren um fünf Prozent gesunken. Das Aufkommen an schweren Lastzügen, die bei einer möglichen Begegnung an einer kurzen Engstelle Schwierigkeiten haben könnten, wenn die Fahrer das Spiegel- Ausweichmanöver nicht beherrschen, ist eher klein — die Wahrscheinlichkeit, dass sich Lastzüge ständig in der Engstelle festfahren, somit gering. Abhilfe bei dieser Problematik schaffen bauliche und verkehrstechnische Maßnahmen, was heute viele Bürger aus Neunkirchen und Ebersbach sehen. Der problematische Staubereich der Linksabbieger aus der Friedhof- in die Forchheimer Straße ist leicht durch eine Aufweitung ergänzt mit abknickender Vorfahrt zu lösen. Eine baulich bestätigende Untersuchung aus 2006 eines Planungsbüro veranlasst vom Markt liegt vor und Beseitigungsmaßnahmen von Gefahrenzonen sind gemacht, was die Umfahrung nicht vermag.
Warum wollen 17 von 20 Räten in Neunkirchen nicht ehrlich über derartige Möglichkeiten befinden? Würden Alternativen sachlich geprüft, ergäben sich peinsame Zweifel am ohne echte Begründung über Jahrzehnte immer wieder gebetsmühlenartig wiederholten Verlangen. Und bevor es diese Zweifelansätze gibt, fordert MdL Herr Nöth eine baldige Realisierung.
Gleichzeitig wird Andersdenkenden das demokratische Recht abgesprochen, dieses fragwürdige Verlangen zu kritisieren. Die Parallelen zu ähnlichen Selbstbedienungsmethoden jenseits begründeter Maßnahmen landes- wie auch bundesweit und die daraus resultierende Politikverdrossenheit sind augenfällig.
So wird stur an einer Verkehrsverlagerung von einem Straßenzug zu einem anderen festgehalten unter dem Vorwand „erst kommt der Mensch“ und weil es „gut für die Regionalentwicklung“ sei. Andere Werte zählen fatalerweise nicht.
Dabei ist es nicht einmal ein Gewinn für den Menschen. Zerschnitten wird landwirtschaftlicher Kulturraum, die Gesundheit der Bevölkerung durch Zunahme von Schwerlastverkehr belastet und deren Erholungsräume genommen — Konsequenzen des Einmauerns Neunkirchens zum natürlichen Lebensumfeld. Nachdenken über eine intakte Natur, gar Bewahren der Schöpfung? Gewissensbisse wären die Folge. „Weiter und durch“ ist die Devise, statt machbare Lösungen zu erarbeiten. Sieben Jahrzehnte lang wurden Dringlichkeiten für Staatsstraßen hinaufgeschraubt und Verfahren entwickelt, um sich diese Einzelschritte immer wieder umwelttechnisch sanktioniert zu genehmigen. Heute stellt man bestürzt fest, dass mehr als 80 Prozent der intakten Naturräume verschwunden sind. Die Schöpfung bewahren, das ist Ihr eigentlicher Auftrag, Herr Nöth; hat das „C“ eine Bedeutung? Lassen nicht eigentlich Sie die Zügel schleifen, indem Sie einer unbegrenzten Wunschspirale menschlichen Verlangens nachgeben? Das Untertanmachen der Erde ist untrennbar verbunden mit der Verpflichtung des Bewahrens – und daran haben sich insbesondere politisch Führende zu orientieren und auch dafür zu kämpfen, was wir bei Ihnen leider nicht erkennen können.

Heinrich Kattenbeck, 1. Kreisvorsitzender, BN-Kreisgruppe Forchheim