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Erlanger Nachrichten - 04.12.2010
Den Plänen für die Stadt-Umland-Bahn droht das Aus
Ergebnisse der Machbarkeits-Studie im „Frankenhof“ vorgestellt: Der Kosten-Nutzen-Faktor ist viel zu niedrig — Weitere Untersuchungen
Ist dies das Ende der seit Jahren geplanten Stadt-Umland-Bahn (St UB)? Gemäß den Ergebnissen der kürz­lich im Erlanger „Fran­kenhof“ vorgestellten Machbarkeitsstudie ten­dieren die Chancen für eine Realisierung der­zeit gegen Null.
ERLANGEN-LAND — „Die Verwirklichung ist in weite Ferne gerückt“, sagt Erlangens OB Sieg­fried Balleis am Rande der St UB-Informations­veranstaltung hörbar ent­täuscht. Ende der 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts hatte Bal­leis, frisch von Siemens in die Kommunalpolitik gewechselt, das ambitio­nierte Projekt unter­stützt. Damals standen die Ampeln für eine Überland-Straßenbahn, die Erlangen mit den Umlandgemeinden ver­bindet, noch auf grün.

Verhalten gewandelt
Mehr als zwei Jahr­zehnte danach hat sich das Verkehrsverhalten der Menschen ebenso gewandelt, wie die Akzeptanz des ÖPNV, was sich aus den Ergeb­nissen der Studie able­sen lässt. Ein schienenge­bundenes Transportmit­tel wie die St UB erscheint nicht mehr attraktiv genug, um die Nutzer des „motorisierten Individual­verkehrs“ (MIV) von den Vorzügen der „Öffentlichen“ zu überzeugen. Laut Utz Senger, der die aktuelle Stu­die im Auftrag von Stadt und Land­kreis durchgeführt hat, wären die „Umsteigerzahlen“ zu gering, um den derzeit um 0,79 pendelnden Kosten- Nutzenfaktor über die 1,0-Schwelle zu treiben: Erst ab dieser Grenze könnte das Vorhaben mit Subventio­nen von Bund und Freistaat rechnen.
Die Projektvorstellung war zu­gleich eine Frage- und Antwort­stunde, bei der klar wurde, wie tief mittlerweile auch die ideologischen Gräben sind. So werden von den Ana­lysten für die Hochrechnung der St UB-Marktchancen bestimmte Ver­kehrspläne als „unstrittig“ eingestuft (und verbucht), die noch längst nicht beschlossene Sache sind, beispiels­weise die Südumgehung, die Nürnber­ger Nordspange zur Anbindung des Airports an die Autobahn oder der Ausbau des Frankenschnellwegs.
Abseits dieser Unwägbarkeiten wurde bei dem von VGN-Geschäfts­führer Professor Dr.-Ing. Willi Weiß­kopf moderierten Info-Forum klar, dass die von einer Bürgerinitiative ent­worfene Alternativ-Lösung zum „offi­ziellen“ Entwurf ein noch schlechte­res Kosten-Nutzen-Verhältnis hätte — zumindest in den Augen der Autoren der Studie.
So würde die BI-Variante zwar ebenso wie der ursprüngliche „T“-Plan Herzogenaurach anbinden — und das sogar mit einer erheblich geringeren Zahl kostspieliger Kunst­bauten. Allerdings hielte die St UB dann nicht beim prosperierenden neuen Stadtteil „Herzo-Base“, was dieser Variante nach Ansicht von Her­zogenauracher Stadt- und Kreisräten wie Gotthard Lohmaier (SPD) kaum Verwirklichungspotenzial einräumt.

,Leuchtendes Vorbild‘ Karlsruhe
Als „leuchtendes Vorbild“ wurde und wird in den Diskussionen über die St UB stets der Großraum Karls­ruhe genannt, in dem seit Jahren eine Überland-Straßenbahn mit hoher Aus­lastung die Ballungszentren miteinan­der verbindet. Diesem heute gut funk­tionierenden Netz wurde allerdings die „Gnade der frühen Geburt“ zuteil, es entstand in einer Zeit, als die Ver­kehrsplanung noch nicht von wirt­schaftskrisen- bedingten Sparvorga­ben beeinträchtigt wurde. Und es hatte Mentoren und Motoren, die Investoren und Sponsoren in der Pri­vatwirtschaft suchten und fanden.
Auch in Erlangen will man freilich die Vision namens St UB noch nicht abschließend „beerdigen“. Möglich wäre etwa der Versuch, eine „Hybrid­fassung“ aus der Trassierung der Bür­gerinitiative und den Entwürfen der Verkehrsplaner zu schaffen. Wenn auf­wändige Fahrweg-Neubauten wie die auf über 20 Millionen Baukosten geschätzte „Kosbacher Brücke“ weg­fielen, dann gäbe es nach Ansicht der meisten Beteiligten noch eine wenn auch geringe Aussicht, den Kosten-Nutzen-Faktor nach oben zu treiben.
Dennoch erscheint die St UB derzeit eher wie eine nachgerade utopische Idee, die frühestens in einigen Jahr­zehnten den Sprung von den Reißbret­tern der Planer in die Wirklichkeit schaffen könnte. Ihre Zukunft bleibt ungewiss. HANS VON DRAMINSKI

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