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Nordbayerische Nachrichten - 02.04.2011
Leserbrief: Ziel ist weniger Verkehr

Betrifft: Westumfahrung Neunkirchen
In Berichten und Leserbriefen wurde im Rahmen der bisherigen Einstufung des Ausbauplanes der oberfränkischen Staatsstraßen auf die Bürgerinitiative Modernes und umweltbewusstes Neunkirchen MUNk Bezug genommen. Diese soll für die Einstufung der Umfahrung Neunkirchens verantwortlich sein und dabei Einzelinteressen vertreten. So wie die Befürworter einer Umgehung selbstverständlich ihre Interessen vertreten, vertritt die Bürgerinitiative MUNk die Interessen von über 1000 Bürgern (davon 800 aus Neunkirchen), die mit ihrer Unterschrift ihre Bedenken gegen die bestehenden Planungen Ausdruck verliehen haben.
Dabei ist es ein Anliegen der Initiative möglichst allen Bedürfnissen der Neunkirchener gerecht zu werden. Deshalb wurden die bestehenden Argumente, wie Verkehrsbelastung und Gefährdung, die von den Befürwortern bisher ins Feld geführt werden, analysiert und mit Fakten unterlegt. Bei der Verkehrsbelastung haben wir auf bereits bestehende Verkehrszählungen zurückgegriffen. Aktualisiert durch eine eigene detaillierte Zählung, abgestimmt mit den offiziellen Regeln des staatlichen Bauamtes Bamberg, wurden diese Zahlen mit den Prognosen für die Verkehrsbelastung von Neunkirchen nach einem Bau einer Westumfahrung verglichen. Die BI MUNk war hier in Abstimmung mit dem staatlichen Bauamt tätig.
Die immer wieder genannten 8900 Fahrzeuge, die den „Innerort“ Neunkirchens durchqueren sollen, erwies sich als ein Wert, der am Ortsausgang Richtung Dormitz gemessen wurde. Darin ist auch der Quell-Ziel-Verkehr aus Neunkirchen enthalten und dieser liegt bei über 50 Prozent wie eine Zählung des Bauamtes im März 2010 bestätigte. Weitaus weniger Fahrzeuge befahren die Forchheimer Straße (zirka 6000) und nochmals weniger die Friedhofstraße (3800). Dagegen nimmt das Fahrzeugaufkommen im Ort nach Bau der Umgehung eben wegen des hohen Quell-Ziel-Verkehrs im günstigsten Fall nur um die Hälfte ab. Die Belastung Lkw über 7,5 Tonnen liegt bei 194 und ist damit deutlich geringer als bisher vermittelt.
Die beklagte Gefährdung beim Straßenzug Forchheimer bis Henkersteg-Straße (28 analysierte Stellen) ist ausschließlich bautechnisch bedingt und besteht auch mit Westumfahrung weiter. Sie kann nur durch konkrete, zum Teil auch sehr einfache, Maßnahmen behoben werden. z.B. Auflösung des Staubereichs der Friedhofstraße bei der Kreuzung am Forchheimer Tor, Tempo 30 in der Kurve zum Henkersteg. Diese Maßnahmen würden nicht nur die Gefährdung reduzieren, sondern auch die Situation der Anlieger verbessern.
Diese Analysen bestätigen, was nun ein unabhängiges Ingenieurbüro – sicher ohne Beeinflussung von außen – bei der Einstufung in 1 Reserve im Vergleich mit anderen bayerischen Straßenbaumaßnahmen erarbeitet hat. Dieser objektive Vergleich mit regionalen Projekten, die ebenfalls schon viele Jahre erwartet werden, kann als Chance gesehen werden. Es eröffnet die Möglichkeit die Situation in Neunkirchen – ganz bewusst mit Hilfe von Staatsgeldern – anhand eines beispielhaften Verkehrskonzeptes zu verbessern.
Ein Runder Tisch mit Interessierten und Beteiligten, mit dem Ziel, konkrete Gefährdungsstellen abzubauen, Verkehrsbelastung generell zu minimieren und dabei den Lkw-Verkehr weiter zu reduzieren sowie eine Straßensanierung durchzuführen, die den Anwohnern spürbare Verbesserungen bringt, wäre hier zukunftsweisend. Die Wirksamkeit könnte gemessen und gegebenenfalls nachgebessert werden. Gleichzeitig könnten Risiken und unwiederbringliche Veränderungen wie durch die Westumfahrung ausgelöst (unter anderem steigendes Hochwasserrisiko, Zerstörung landwirtschaftlicher Nutzflächen) auf ihre tatsächliche Notwendigkeit geprüft, sowie das Bedürfnis eines großen Teiles der Neunkirchener Bürger nach „autofreier“ Naherholung in intakter Natur berücksichtigt werden.
Bettina Wittmann, Vorstand MUNk Modernes und umweltbewusstes Neunkirchen e.V.