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Fränkischer Tag - 26.03.2016
Lebendiger Brauch
Kirche

Es ist eine sehr beeindruckende Prozession, die bis ins Jahr 1668 zurückgeht: Die Karfreitagsprozession in Neunkirchen.
VON UNSERER MITARBEITERIN petra Malbrich

Neunkirchen am Brand - Während die Besucher und Gäste aus Neunkirchen, den Ortsteilen und Nachbargemeinden unter aufgespannten Regenschirmen vor der St.-Michael-Kirche auf den Beginn der Prozession warten, sind die Organisatoren in der Kirche noch mit den letzten Vorbereitungen beschäftigt und schieben Schaumstoff über die Holzträger, auf denen die lebensgroßen geschnitzten Jesus-Figuren angebracht sind. Diese bis ins liebevolle Detail von schnitzkundigen Handwerksmeistern geschaffenen Figuren erzählen und veranschaulichen am Todestag, dem Karfreitag, das Leiden des Herrn Jesus Christi.

Die Marterwerkzeuge
Ministranten tragen das Kreuz, an dem die Marterwerkzuge Jesus hängen, und führen damit den Zug einer eindrucksvollen Karfreitagprozession an. Jeder Ortsteil Neunkirchens vervollständigt den Zug mit einer Darstellung Christi. Die Ebersbacher zeigen mit ihrer Darstellung die „Einsetzung des Altarsakraments“. „Jesus am Ölberg“ wird von den Baadern getragen. Der Ortsteil Rosenbach beteiligt sich mit „Jesus an der Geißelsäule“. „Jesus mit Dornen gekrönt“ wird von Bürgern aus Großenbuch getragen. Schellenberg erinnert mir der Figur, wie Jesus verhöhnt wurde, und das große Kreuz wird von Zimmerleuten getragen.

Der Pfarrer mit dem Reliquienkreuz, das einen Splitter vom Kreuz Jesus beherbergen soll, folgt den Zimmerleuten, dann Bürgermeister Heinz Richter (FW) und einige Gemeinderäte. Die Kreuzwegandacht wird gebetet, ein Lied dazu gesungen, musikalisch begleitet von der Neunkirchner Jugend- und Trachtenkapelle.

Wilhelm Geist der Vorbeter
„Im Kreuz ist Heil, im Kreuz ist Hoffnung“, ist während der Prozession durch Neunkirchen immer wieder aus den Lautsprechern zu hören nach jeder Station des Leidenswegs, den Jesus gehen musste. Wilhelm Geist, der Vorbeter der Prozession, erzählte zu jeder Leidensstation das Geschehen. „Der Richter der Welt steht vor dem Gericht der Menschen. Hasserfüllt verlangte die verhetzte Menge seinen Tod“, sagt der Vorbeter bei der ersten Station, wo Jesus zum Tode verurteilt wird.

Dann, bei der zweiten Station, nimmt Jesus das Kreuz auf seine Schultern, er fällt zum ersten Mal unter dem Kreuz, und begegnet bei der vierten Station seiner Mutter. Dann hilft Simon Cyrene, Jesus Kreuz zu tragen, Veronika reicht Jesus das Schweißtuch und schließlich fällt Jesus bei der siebten Station zum zweiten Mal unter dem Kreuz. Jesus begegnet den weinenden Frauen, fällt zum dritten Mal, wird seiner Kleider beraubt und schließlich ans Kreuz genagelt, wie bei der elften Station erklärt wird. Schließlich stirbt Jesus, wird vom Kreuz abgenommen.

„Dann legen sie Jesus in den Schoß Mariens, seiner betrübten Mutter“, sagt der Vorbeter. Jesus im Schoß seiner Mutter, diese wertvolle Figur, eine gotische Pieta, die immer von der Kolpingfamilie getragen wird, wurde wegen des Regens in der Kirche gelassen. Die Feuerwehr Neunkirchen trägt „den heiligen Leichnam Jesus“, und Jugendliche den auferstandenen Christus. Die Straßenseiten sind leer, es schauen keine Leute zu. Nicht aus Desinteresse, sondern weil alle Leute, fast 2000, an der Prozession teilnehmen. Die Neunkirchner Prozession ist eine sehr eindrucksvolle Prozession, deren Tradition bis in Jahr 1668 zurückreicht.


Die Karfreitagsprozession beginnt. Foto: Petra Malbrich