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Marktbücherei St. Michael - Buchempfehlung

Hörbuch des Monats Literaturempfehlungen des Kirchenradios

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Unsere Buchempfehlungen


Dean Lorey, Monsterjäger. Das Portal des Barakkas.

Ravensburger Buchverlag 2008.
Aus dem Englischen von Katharina Orgaß und Gerald Jung.

Charlie Benjamin ist ein 13jähriges Kind, das für sein Alter recht klein ist. Charlie lebt abgeschottet von der Außenwelt. Er wird zu Hause unterrichtet, weil seine Eltern Angst haben, dass ihm etwas passieren könnte, dabei würde er sehr gern draußen mit anderen Kindern spielen.
Charlie besitzt leider die Gabe, wie es die Monsterjäger nennen, dass er Monster aus der Finsterwelt herportalieren kann, d.h. in die Realität holen kann, wo sie dann Unheil anrichten könnten. Es gibt zwei Arten dieser Gabe: das Wach- und das Schlafportalieren. Beim Wachportalieren werden Türen zur Finsterwelt bewusst geöffnet, beim Schlafportalieren geschieht das unwillentlich im Schlaf.
In der Finsterwelt gibt es fünf Kreise. Monster wandern, je älter sie werden, einen Kreis weiter. Bei der „Pyjamaparty des Grauens“ portaliert Charlie unwillentlich einen „Dreier“, also ein Monster aus dem dritten Kreis, her. Es ist ein Finsterkrabbler, eine Riesenspinne, die ihre Opfer in dichte Kokons einwickelt. Als Charlie dann einen Vierer herportaliert, greift schließlich die Monsterjägerakademie ein. Sie besteht aus einer Gruppe von drei Menschen, vertreibt das Monster und nimmt es mit in den Albtraumdienst. Das ist die Zentrale der Monsterjäger. Charlie wird schließlich in die Monsterjägerakademie geschickt und stellt dort fest, dass er ein sogenannter „Zwiefacher“ ist. Zwiefache sind Leute, die Bezwinger und Portaler zugleich sind. Sie können also nicht nur Portale öffnen, sondern auch mit den Monstern fertig werden. Am zweiten Tag in der Akademie finden die Monsterjäger heraus, wo sich Verminion befindet, ein Komplize von Barakkas, dem König der Monster. Schließlich schafft es Verminion, dass Charlie ein Portal öffnet. Durch dieses Portal kommt aber Barakkas und es beginnt ein heftiger Kampf zwischen Monstern und Charlie. Er wird noch unterstützt von Brooke, einem Mädchen, das schon zwei Jahre in der Monsterjägerakademie ist. Brooke öffnet ein Portal, durch das die Kinder entkommen können. Verminion und Barakkas haben sich in einem Streit um den Armreif von Barakkas untereinander schwer verletzt.
Am Ende des Buches ist Charlie viel glücklicher geworden, weil er sich nicht mehr so einsam fühlt.
Ich finde, dass das Buch sehr spannend geschrieben ist. Es gibt viele Wörter, deren Bedeutung man erst im Laufe des Buches herausfinden kann, wie z.B. Verminion, portalieren usw. Auch das hat das die Spannung erhöht. Ich würde es Kindern empfehlen, die spannende, manchmal auch etwas gruslige Bücher mögen und 10-24 Jahre alt sind.

 Buchbesprechung von Julius Staubach, 10 Jahre alt.


Manga

Jiro Taniguchi - Vertraute Fremde



„Vertraute Fremde“ erzählt die Reise durch Raum und Zeit des 48-jährigen Architekten Hiroshi Nakahara. Eingestiegen in den falschen Zug findet er sich plötzlich in der Stadt seiner Kindheit wieder und fällt durch ein Zeitloch zurück in seine Kindheit. Das Bewusstsein des 48-jährigen Hiroshi sieht sich plötzlich im Körper eines 14-jährigen in sein Elternhaus zurück versetzt, trifft auf „alte Freunde“ und geht erneut zur Schule, ohne jedoch seine Erinnerungen an all das bereits Erlebte zu verlieren. Hiroshi macht die absonderliche Erfahrung, dass Ereignisse, die er „als Vergangenheit in Erinnerung hatte, … auf einmal wieder in der Zukunft“ lagen. Mit Wehmut erfährt er seine Kindheit noch einmal neu, ohne den Lauf der Zeit wirklich ändern zu wollen. Doch er muss feststellen, dass er die im Laufe seines Lebens angeeigneten Fähigkeiten nicht ablegen kann. Während seine Umgebung im Lauf der Zeit gefangen bleibt, ist er allem und jedem 34 Jahre voraus – er wird im wortwörtlichen Sinne für sich selbst und seine Freunde zum vertrauten Fremden. Sein Verhalten gleicht mitnichten dem des damals 14-Jährigen, was ihn selbst immer wieder erschreckt und einschüchtert. „Ich hatte Angst, dass ich, indem ich mein vergangenes Ich veränderte, an der Zeitschraube der Zukunft drehte.“ Die Ehrfurcht vor dem Einfluss auf die vergangene Zukunft wandelt sich jedoch schnell zur Einsicht, dass darin auch die Hoffnung liege, die Zukunft verändern zu können. Am stärksten beschäftigt ihn dabei der Wunschgedanke, seinen Vater daran zu hindern, die Familie zu verlassen. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt, denn die kommenden Sommerferien werden die Zeit sein, in der sein Vater die Familie für immer verließ.
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„Vertraute Fremde“ hier nicht als Manga publiziert sondern in westeuropäischer Leserichtung, als Graphic Novel. Und wenn man genau hinsieht, dann ist es eher ein Zufall, dass dieser Comic aus Japan kommt, denn ihm fehlen zum einen etliche typische Mangastilmittel, zum anderen wird aber auch eine so universelle Geschichte präsentiert, dass es eigentlich vollkommen egal ist, ob dieser Comic nun aus Japan, Europa oder den USA kommt.

Karin Dujmovits-Schäfer, Oktober 2008

Jiro Taniguchi wurde 1947 in Tottori, Japan, geboren. Seine Karriere als Comic-Zeichner startete er 1972 mit dem Manga "Kareta Heya". Heute gilt Taniguchi weltweit als einer der renommiertesten Manga-Zeichner. 1997 erschien der Band "Vertraute Fremde.
Beim renommiertesten europäischen Comicfestival im französischen Angoulême wurde er bereits zweimal (2003 und 2004) ausgezeichnet. Mit „Vertraute Fremde“ erhielt im Jahr 2003 überhaupt das erste Mal ein Comic japanischen Ursprungs den französischen Comicpreis. 2008 wurde mit der Krönung dieser 409 Seiten umfassenden Erzählung erstmals ein Manga zum Comic des Jahres erkoren.

 

Kindersachbuch

Marc Chagall - Das Leben ist ein Traum


Das Kindersachbuch „Marc Chagall - Das Leben ist ein Traum“ ist nicht nur für Kinder sondern auch für Erwachsene interessant. Man erfährt durch das Buch sehr viel über Marc Chagall und sein Leben. Es zeigt uns seine Art die Welt zu sehen und entführt uns in eine Phantasiereise durch seine Bilder. Auf einer Doppelseite ist rechts je ein Bild von Marc Chagall zu sehen, das die ganze Seite ausfüllt. Auf der linken Seite ist ein mal kürzerer, mal längerer Text zu jedem Bild. Oben auf der Seite wird zuerst der Name des Bildes genannt. Der Text darunter ist meist sehr ungewöhnlich für ein Sachbuch, da die Farbe und die Größe häufig wechseln und die Zeilen teilweise geschwungen oder auseinender gezogen sind. Oft hat er auch die Form eines Gedichts oder wirkt wie von Chagall gemalt. Er ist dem dazugehörenden Bild angepasst und betont das gesagte damit. Der Text ist keine übliche Bildinterpretation, sondern erklärt die sicht des Malers. Er erzählt uns sehr viel über Marc Chagall und sein Leben. Es sind zwar biografische Daten vorhanden, aber man lernt seine Umgebung und sein Leben wie bei einer Erzählung von ihm selbst kennen. Man erfährt viel über seinen Geburtsort Witebsk durch die Bilder und die dazugehörigen Erklärungen und kann sich die kleine Stadt und das Leben dort dadurch sehr gut vorstellen. Die Gegenstände im Bild werden als Teile von Chagalls Leben dargestellt, wodurch man erfährt wann er die Bilder gemalt hat und was er sich dabei gedacht hat. Die Vorlieben Marc Chagalls, wie zum Beispiel, dass er sehr gerne in den Zirkus ging oder sehr gerne Blumen malte, werden im Text auch erwähnt. Es wird auch auf Dinge hingewiesen, die einem bei normalem betrachten als unwichtig erschienen wären. Immer wieder wird die Phantasie des Lesers durch Fragen angeregt, die aber unbeantwortet bleiben. Dadurch wird man zum Nachdenken angeregt und kann seine Fantasie spielen lassen. Bei einigen Bildern wird auch einfach nur eine Geschichte zu dem Geschehen im Bild erzählt, die nichts mit Chagall zu tun hat. Auch hier ist wieder die eigene Phantasie gefragt. Auf der letzten Seite des Buches ist noch eine kurze Biographie von Marc Chagall mit einem Photo von ihm.
Das Buch hat mir sehr gut gefallen und ich habe es mir immer wieder angeschaut. Die Bilder Chagalls sind wunderschön und wurden gut ausgewählt. Der Text ist sehr interessant und abwechslungsreich, wodurch er nicht langweilig wird. Die Informationen sind gut in den Text eingebunden und werden nicht einfach nur aufgelistet. Das Buch ist meiner Meinung nach sehr gut für die ganze Familie geeignet. Man kann es sich gemeinsam anschauen und die Geschichten aus dem Text mit der eigenen Phantasie fortführen. Oder man betrachtet das Buch alleine und versucht die Fragen zu beantworten. Alles in Allem ist es ein sehr interessantes und schön gestaltetes Buch über Marc Chagall, sein Leben und seine Art zu malen. Es lohnt sich wirklich für jeden, der sich für Chagall und seine Bilder interessiert, es zu lesen, anzuschauen und die Phantasiereise mitzumachen.

Sabine Reis, Nov. 2006

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Fabrizio Rossi

Der Vatikan


Ein allgemeinverständlicher Überblick über die Geschichte des Vatikans und die Struktur der römischen Kurie.

Der Vatikan als kleinster Staat der Welt ist sicher ein Unikum. Einerseits ist er ein wirklicher Territorialstaat, andererseits ist er die Heimat der Zentralverwaltung der# # # röm.-kath. Kirche (Heiliger Stuhl ), der territorial unabhängig ist. Diese Vermischung wirft immer wieder Fragen auf.
Das Buch informiert über die Geschichte des Vatikans, und erläutert die Strukturen der weltkirchlichen Verwaltung. Autor wirft einen Blick auf die kirchliche Medienpolitik, das kulturelle Engagement und geht auf Besonderheiten wie die Schweizergarde, Briefmarken und Münzen ein. Kritische, handliche Informationsschrift.

Gaby Bail, Nov. 2004

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Andrea Schacht
Das Werk der Teufelin

Historischer Krimi im Köln des Mittelalters, 1376
Hauptdarstellerin des Buches ist Almut, etwas unter 30, die seit dem Tode ihres (ungeliebten) Mannes in einem Beginen-Konvent lebt. Dort leben Frauen fromm und fleißig miteinander. Es gibt vorgeschriebene Gebetszeiten und Übungen. Die Frauen leben von Dienstleistungen (z.B. Klagen bei Todesfällen) und Stickereien. Der Konvent wird von der weisen Magda aus wohlhabender, einflussreicher Familie geleitet. Almut ist eine für ihre Zeit ungewöhnliche Frau: Sie kann lesen, tut dies auch und ist damit gebildeter, als mancher Priester. Denen pflegt sie auch schon einmal im Gottesdienst laut zu widersprechen. Das macht dem Konvent natürlich nicht nur Freunde.
In diesem Buch geht es wieder um einen ungeklärten Todesfall. In einer Kirche, die abbrennt, wird ein nobler Herr fast erschlagen aufgefunden. Vor seinem Tod kann er noch sagen: Sucht die Teufelin bei den Beginen. Im Zuge der amtlichen Ermittlungen wir die Leiterin des Beginen-Konvents in Haft genommen sowie eine weitere Unschuldige, deren Ehemann ebenfalls in der Kirche gefunden wurde.
Rigmundis, die auch bei den Beginen lebt, wird wieder von finsteren Visionen geplagt.
Es kommt zu zahlreichen Verwicklungen. Almut wird von der taubstummen Trine, einer ehemaligen Bademagd Johanna, ihrer Halbschwester Aziza und dem Pater Ivo unterstützt.
Auch in diesem Buch gerät Almut wieder in Lebensgefahr.
Ein spannend geschriebenes Buch, das auch einen interessanten Einblick in das Leben des Mittelalters gibt.

Gaby Bail, Nov. 2004

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Jan Seghers
Ein allzu schönes Mädchen

In Hotzwiller, einem kleinen Ort in den Vogesen, taucht ein ungewöhnlich schönes, aber seltsames Mädchen auf und findet bei einer einsam lebenden Frau Unterschlupf. Sie bleibt im Umgang mit den anderen Dorfbewohnern zurückhaltend, jedoch hat sie etwas näheren Kontakt zu einem jungen Mann.
Nachdem die alte Frau stirbt, verschwindet das Mädchen Manon spurlos.
Etwa zur gleichen Zeit werden im Frankfurter Stadtwald die verstümmelten Leichen zweier junger Männer gefunden.
Kommissar Marthaler, der eigentlich gerade seinen Urlaub antreten wollte, nimmt die Ermittlungen auf. Er ist ein Mann mittleren Alters, der den Tod seiner Frau (bei Banküberfall erschossen) vor 15 Jahren nicht überwinden kann. Erst nach dem Tod seiner Frau hat er sich entschieden, Polizist bzw. Kommissar zu werden. Er gilt als Einzelgänger und kann keine Kollegen leiden, die rücksichtslos sind.
Die Ermittlungen des Kommissars ergeben, dass die beiden Ermordeten kurz vor der Tat zusammen mit einem dritten Mann und einer ungewöhnlich schönen jungen Frau gesehen wurden. Dem dritten Mann kommt man auf die Spur, doch er stürzt sich in den Tod.
Dann findet man in einem Frankfurter Hotelzimmer einen grausam ermordeten Mann.
Spannendes Buch. Die Figuren enthalten viel Leben, man kann sie sich gut vorstellen. Sympathisch ist die Figur des Kommissars. Er zeigt Mitgefühl, kann aber auch knallhart sein, besonders bei Leuten, die ihm suspekt sind.
Ärgern kann er sich auch über wichtigtuerische Vorgesetzte, die nach Fehlschlägen plötzlich erkranken.
Sehr lesenswert mit Frankfurter Lokalkolorit, was aber nicht stört.

Gaby Bail, Nov. 2004

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Alois Prinz
Lieber wütend als traurig
Die Lebensgeschichte der Ulrike Marie Meinhof

Ungewöhnlicher Lebenslauf: Die gläubige Christin, die als Journalistin zur Chefredakteurin der Zeitschrift „Konkret“ aufsteigt, heiratet den Herausgeber und ist mit ihren Kolumnen sehr bekannt. Sie gehört zur gut situierten, linken Hamburger Schickeria und wird Mutter zweier Töchter. Ohne erkennbaren Grund hilft sie im Jahre 1970 bei der gewaltsamen Befreiung von Andreas Baader mit, verschwindet im Untergrund und stirbt schließlich im Jahre 1976 nach Selbstmord in Stammheim.
Das Buch gibt einen tiefen Einblick in das Leben einer der bekanntesten Terroristinnen. Der Autor macht den Leser mit den politischen Ansichten vertraut.. Er versucht eine Annäherung, um sie zu verstehen. Er glorifiziert sie aber in keiner Weise. Warum Meinhof so in die Terrorszene abdriftete, kann er auch nicht erklären, aber auch die Menschen, die ihr nahe standen nicht.
Ihre Pflegemutter, Renate Riemeck, die sie und ihre Schwester nach dem Tod der Mutter aufzog, versuchte einmal, sie per öffentlichem Aufruf zurückzuholen.
In der Anfangszeit ihrer Haft hielt Meinhof noch Kontakt zu ihren Töchtern, erhielt Besuch von ihnen und schrieb ihnen sogar.
Nach der Zusammenlegung mit Gudrun Ensslin, mit der es viel Streit gab, die sie piesackte, brach sie den Kontakt ab und reagierte auch nicht mehr auf Briefe.
Ein spannendes Buch über ein wichtiges Stück deutscher Zeitgeschichte.

Gaby Bail, Nov. 2004

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McLaughlin, Emma und Kraus, Nicola:
Die Tagebücher einer Nanny

Nan liebt Kinder. Nan hat Erfahrung. Nan studiert Pädagogik. Sie ist jung, belastbar, engagiert. Doch an ihrem neuen Nanny-Job in der Upperclass von New York wäre selbst Mary Poppins verzweifelt. Für Nanny war ein Job als Kindermädchen bisher immer der beste Weg, ihr Studium in New York zu finanzieren. Egal was getan werden muß, macht man besser, wenn man in New York ein Kindermädchen ist. Die Autorinnen erzählen die Erlebnisse von Nanny bei Grayer und Familie X. Der vierjährige Grayer ist gerade in die Vorschule gekommen und muss sich von seiner bisherigen Kinderfrau trennen, da seine Mutter einfach eine neue Kinderfrau einstellt, nämlich Nanny. Nanny versucht das Zutrauen von Grayer zu gewinnen, was nicht leicht wird, denn die vorherige Kinderfrau hat hier Maßstäbe gesetzt. Schon bald ist sie für die Organisation des Alltags der so reichen wie neurotischen Mutter zuständig und muss nebenbei auch noch die Spitzenunterwäsche der Geliebten des Vaters entsorgen. Eigentlich wollte sie nur 2 Nachmittage die Woche für die Familie X tätig sein, doch schnell ist es ein 24-Stunden-Job. Gäbe es da nicht den attraktiven Harvard-Studenten, der im selben Haus wie Grayers Familie wohnt und in den sich Nanny Hals über Kopf verliebt hat, sie würde in diesem Alptraum den Verstand verlieren
Ein erschreckend realistischer, heiterer Roman, der einen immer wieder hoffen lässt, daß doch Frau X endlich die Tatsachen erkennt und sich endlich um ihren Sohn kümmert. Diese Buch zeigt klar die New Yorker High Society wie sie ist, und wie sie mit ihren Kindern, Frauen, Geliebten und Angestellten umgeht.
Die beiden Autorinnen waren lange Jahre als Kindermädchen in der New Yorker Upperclass tätig. Und obwohl sie keine Familie als Inspiration für ihren Roman nennen wollten, sorgte er doch für große Unruhe in Manhattans besseren Kreisen. Uneingeschränkt lesenwert.

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Isabel Allende
Die Stadt der wilden Götter

Dem 15 jährigen Kalifornier Alex fällt es sehr schwer, von zu Hause weg zu gehen, denn er muss seine schwer krebskranke Mutter zurücklassen. Letzte Hilfe kann sie nur in einer Spezialklinik in Texas finden, zu der sie der Vater (selbst Arzt) begleiten möchte. Deshalb werden die 3 Kinder der Familie verteilt. Seine beiden Schwestern gehen zur Großmutter mütterlicherseits, er nach New York zur Großmutter väterlicherseits. Damit ist Alex überhaupt nicht einverstanden. Während die andere Großmutter alle Eigenschaften einer lieben Oma hat und außerdem gut kochen kann, lässt es die resolute Kate, die sich die Anrede „Oma„ verbietet, an Fürsorge und Anteilnahme fehlen. Eher eine Großmutter zum Fürchten, wie er meint. Diese lässt sich auch nicht durch die Ankunft ihres Enkels aus ihrem Zeitplan bringen und nimmt Alex auf eine Forschungsreise zum Amazonas mit. Sie begleitet eine Expedition, die auf der Suche nach einer vorzeitlichen übermenschengroßen Bestie ist, die zur Selbstverteidigung einen starken Geruch verströmen kann, der Menschen in Ohnmacht fallen lässt. Damit sicherte sie sich das Überleben. Kate soll darüber für eine renommierte Fachzeitschrift eine Reportage schreiben. Am Amazonas angekommen lernt Alex die 12 jährige Nadia kennen, Tochter des brasilianischen Expeditionsleiters, die nie eine Schule besucht hat, doch mehrere Indianersprachen spricht, sowie sich in Fauna und Flora des Urwaldes bestens auskennt. Es gibt viel zu sehen und zu erleben. Sie passieren Indianerdörfer, müssen Stromschnellen überwinden und kommen mit vielen seltsamen Tieren in Kontakt. Aus dem Basislager werden dann Alex und Nadia von den sogenannten Nebelmenschen, einem Indianerstamm, entführt. Durch das Zusammenleben mit ihnen lernen sie auch die Gefahren kennen, die mit der Entdeckung dieser Menschen entsteht. Um diesen Stamm vor dem Untergang zu retten, müssen Alex und Nadia gefährliche Abenteuer bestehen. Tunnel und Berge, die von Göttern, Geistern oder Fabelwesen bewohnt sind, müssen bezwungen werden. Außerdem entlarven Alex und Nadia einen teuflischen Plan, der die im Amazonasdschungel lebenden Indianer vernichten soll.
Am Ende schaut Alex, alias „Jaguar„ nicht nur auf unglaubliche Abenteuer zurück, sondern weiß auch, dass seine Kindheit beendet ist. Mit dem unter großen Gefahren gefundenen „Wasser des Lebens„, das er wie einen großen Schatz hütet, hofft er seine Mutter retten zu können. Und auch seine Großmutter sieht er nicht mehr als Drachen, sondern als liebenswerten Menschen, dem er viel verdankt.

Die 1942 in Lima geborene Isabel Allende beschreibt in diesem Abenteuerroman eine exotisch - fremde Welt. Doch verheimlicht sie auch nicht ihre tiefe Sorge um ihre bedrohte Heimat Südamerika, die in Gefahr ist, Spekulantentum und Habgier geopfert zu werden. Diese Gebiete mit ihren Bewohnern, die reich an Legenden, Riten und Traditionen sind, wären ohne Schutz dem Untergang geweiht. Das üppige Werk, das sich spannend liest und mit einem überraschenden Schluss aufwartet, kann von Jugendlichen wie auch von Erwachsenen gelesen werden.
Isabel Allende hat einmal mehr gezeigt, dass sie eine der besten Schriftsteller Südamerikas ist. Dem interessierten Leser sehr zu empfehlen.

--G. Kufner

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Schon mal was von KARL, dem Spätlesereiter gehört?

Dieser Comic ist der Beginn einer Comicserie, die Ihres gleichen sucht. Am Anfang noch im Schatten von Asterix und Obelix hat sich der Comic mittlerweile zu einem ernsten Konkurrenten entwickelt. Einfach lesenswert, auch für Menschen, die nicht so auf Comics stehen.
Nicht zu glauben, dass es den Karl schon seit über zehn Jahren gibt. Und seine weiteren Abenteuer haben gehalten, was "Der Spätlesereiter" damals versprach. Mehr noch: Über die Jahre hinweg haben sich Apitz und Kunkel noch gesteigert! Karl ist nicht der "deutsche Asterix" -- Karl ist Karl!
Auch dieser Band und alle restlichen Bände der Karl-Reihe sind ein absoluter Comicgenuss!! In diesem Band geht es auch wieder um eine gut verständlich gestrickte Geschichte und den einfach liebenswerten Helden und seinen, mit einer Riesenportion trockenem (hier französischem) Humor ausgestattetem Hund und natürlich haben sie vor dem ehrenhaften Ende noch ein paar kleine Schwierigkeiten zu überwinden! Nebenbei lernt man übrigens auch noch was über die Landschaft und die technische Fortschritte in der sich die beiden Helden Karl und Oskar jeweils bewegen. Als geschichtlicher Hintergrund wurde diesmal die ersten Heißluftballonversuche im 18. gewählt. Auch das französische Militär begann damit, Ballons für seine Zwecke zu nutzen. Im Sommer 1793 belagerten die alliierten preußischen und österreichischen Truppen die französisch besetzte Stadt Mainz. Die Verteidigung von Mainz leitete einer der führenden Ballonforscher seiner Zeit, der französische General Jean Baptiste Marie Charles Meusnier de la Place. Am 4. Juni wagten die Franzosen unter seiner Führung einen Ausfall und prompt landete ein Heißluftballon an den Weinbergen von Kloster Johannisberg....

--S. Reis

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Alice Sebold
In meinem Himmel

"Mein Nachname war Salmon, also Lachs, wie der Fisch; Vorname Susie. Ich war vierzehn, als ich am 6. Dezember 1973 ermordet wurde." Schon der Beginn von Alice Sebolds Romandebüt deutet an, dass sich die Autorin viel vorgenommen hat. Nicht nur, dass die schreckliche Geschichte vom Sexualmord an der kleinen Susie Salmon vom Opfer selbst erzählt wird, noch dazu befinden wir uns als Leser mit Susie in ihrem Himmel, von wo aus sie das Schicksal ihrer Familie nach ihrem Tod verfolgt. Zwar ist Susies Himmel so ausgestattet, wie sie sich ihr Leben auf der Erde immer gewünscht hatte -- in der Schule gibt es nur Kunstunterricht, und die einzige Lektüre besteht aus Modezeitschriften --, doch die Heldin will noch nicht von den Lebenden und ihrer Trauer und Verzweiflung Abschied nehmen. So versucht sie, mit ihren Freunden und ihrer Familie in Kontakt zu bleiben, auch um ihren Mörder, den unscheinbaren Nachbarn Mr. Harvey, zur Strecke zu bringen. Doch wie die Lebenden muss auch Susie erkennen, dass Erinnerungen, auch wenn sie nicht gänzlich verschwinden, sich doch stetig ändern, und zu einer gemeinsamen Erfahrung werden, welche die unüberwindliche Abwesenheit zu akzeptieren gelernt hat.

So lässt Sebold Susie im weit gehend unbekümmerten, ja bisweilen schnoddrigen Ton über ihr Leben vor und nach ihrem gewaltsamen Tod berichten -- der ungestillte Lebenshunger der 14-Jährigen ist auch im Himmel noch erkennbar irdisch und steht in starkem Kontrast zur Unfassbarkeit des sexuellen Missbrauchs, mit dem die Leser gleich auf den ersten Seiten konfrontiert werden. Doch was sich in der Zusammenfassung unvorstellbar sentimental und kitschig, auf jeden Fall aber unangemessen anhören muss, fügt die Autorin über große Strecken mit erstaunlicher Sicherheit und Einfühlung zu einer bemerkenswerten Erzählung zusammen. Vor allem die überzeugende Darstellung der jungen Susie bleibt im Gedächtnis aften und beweist nicht nur Sebolds schriftstellerischen Mut, sondern auch ihre Fähigkeiten.

--Peter Schneck

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Kai Meyer
Die Fließende Königin

Eine einsame Gondel gleitet die Kanäle eines abgelegenen Stadtviertels von Venedig entlang. An Bord befinden sich zwei Mädchen, die einem ungewissen Schicksal entgegenfahren. Der berüchtigte Spiegelmacher Arcimboldo hat Merle und die blinde Junipa aus dem Waisenhaus holen lassen und nimmt sie bei sich als Lehrlinge auf. Seine Werkstatt liegt am Kanal der Ausgestoßenen, wo die beiden Waisenkinder von der Haushälterin Unke in Empfang genommen werden. Unke begrüßt sie freundlich, aber warum trägt sie eine Maske, die ihre untere Gesichtshälfte verdeckt? Und warum steigt sie nachts heimlich in den tiefen Brunnen im Innenhof hinab?

Das Venedig in Die fließende Königin entspricht nur teilweise der Stadt, wie wir sie kennen. Gardesoldaten auf steinernen, fliegenden Löwen patrouillieren durch die Straßen und Kanäle, die Stadt wird von den Truppen des wieder geborenen Pharaos belagert, und die Geschichtsbücher berichten von einer Expedition, die auf ein unterirdisch lebendes Volk gestoßen ist. Für Merle ist all dies völlig normal. Sie möchte einfach nur ihre Arbeit zur Zufriedenheit der Erwachsenen bewältigen und Junipa eine gute Freundin sein. Doch eines Nachts belauscht sie ein Gespräch, das für das Schicksal Venedigs von einschneidender Bedeutung ist, und mit Entsetzen muss sie feststellen, dass nur sie die Stadt retten kann.

Die fließende Königin ist der erste Band einer Trilogie voller Magie und fantastischer Geschöpfe. Kai Meyer kommt ganz ohne gängige Märchenklischees aus und führt seine Leser an der Seite der tatkräftigen Heldin Merle durch eine abenteuerliche Welt, die origineller und farbenfroher nicht sein könnte. Beeindruckend ist die Einfühlsamkeit, mit der er seine weiblichen Hauptfiguren zeichnet.

--Hannes Riffel

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Peter Scholl-Latour
Kampf dem Terror?/Kampf dem Islam?

Oriana Fallaci wurde mit ihrer Anklageschrift "Die Wut und der Stolz" binnen kurzem zur Chiffre für die wütend-emotionale Bewältigung des 11. Septembers 2001. Peter Scholl-Latours Analyse ist ein gelungenes Beispiel für die erheblich rationalere Auseinandersetzung mit dem Thema.

Wesentlich differenzierter in der Darstellung und moderater im Ton lässt der weit gereiste Journalist aber dennoch keinen Zweifel an seiner kritischen Bewertung aufkommen. Denn ihm zufolge waren die Terrorangriffe von Manhattan und Washington nur überraschend, was ihre schreckliche Dimension anbetrifft. Ansonsten seien sie fast zwangsläufig vorherzusehen gewesen. Und: Die USA trugen laut Scholl-Latour mit ihrer Politik im Nahen und Mittleren Osten entscheidend dazu bei, dass es so weit gekommen ist.

Scholl-Latour geht in zwei Schritten vor. Im ersten Teil bietet er eine systematische Analyse, die die verschiedenen Argumentationsstränge des Buches zusammenbindet. Dort findet der Leser neben der bei diesem Thema fast schon obligatorischen Entkräftung des Anti-Amerikanismus-Vorwurfs so kluge Sätze wie: "Jede Diplomatie ist zur Ratlosigkeit verurteilt, wenn die Bewältigung politischer Konflikte die Form eines Gottesgerichts annimmt." Aber diese Erkenntnis lässt sich auch auf George Bushs Aufruf zum "Kreuzzug" anwenden.

Alle seine Talente spielt der Autor in den Länderstudien (Afghanistan, Irak, Israel, Indien, Pakistan, Usbekistan und China) aus. Auf der Grundlage seiner "Chronistentätigkeit am Ort des Geschehens, die mehr als ein halbes Jahrhundert umspannt", entsteht ein Mosaik aus historisch fundierten, aktuellen Reportagen. Scholl-Latour informiert, indem er erzählt. Dabei gelingt es ihm vielfach, seine persönlichen Eindrücke, Erlebnisse und Gespräche so miteinander zu vernetzen, dass sich immer wieder aufschlussreiche Querverbindungen ergeben.

Dr. Manfred Schwarzmeier

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