| Nordbayerische Nachrichten - 01.11.2007 |
| Tamtam: Aufwühlende Momente |
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Hans-Günter Brodmann versetzte die Zuhörer zeitweise in Trance. Foto: Demling Eine Lesung mit musikalischen Passagen veranstalteten der Gräfenberger Autor Manfred Schwab und der Nürnberger Schlagzeug-Professor Hans Günter Brodmann in der Synagoge Ermreuth. Das „poetische Tamtam“ kam gut an. Ein quadratischer Raum mit einer runden Kanzel in der Mitte. Darüber einige Neonröhren, die in der Form eines Davidsterns angeordnet sind. Richtet man den Blick ins linke hintere Eck des Raumes, stutzt man zunächst. Dort ist ein Schlagzeug aufgebaut, umgeben von einem Xylophon, mehreren Becken und einigen Platten, die an antikes Geschirr oder Schilde aus dem britischen Museum erinnern. Mittendrin sitzt Hans-Günter Brodmann, Professor an der Musikhochschule Nürnberg, und beginnt sein Spiel. Er streicht mit seinen Sticks rhythmisch über die Felle der Trommeln und erzeugt ein angenehmes Rauschen, das die Aufmerksamkeit der Zuhörer schnell fesselt. Einige schließen die Augen und verlieren sich völlig in der Musik, bis Brodmann mit einem chinesischen Gong die Zuhörer aus ihrer Trance reißt und Manfred Schwab das Feld überlässt. Auch er nimmt das Publikum mit seinen Gedichten voll überraschender Gedanken und hintergründigen Witzes schnell für sich ein. Mal schmunzelt man über die Feststellung, dass sich Mäuse „durch ihre maßlose Vermehrungssucht und die widerliche Hinterlassenschaft ihrer Exkremente“ als Hausgenossen unmöglich machen. Mal beklemmt einen der Verweis auf „die Kläffer, die Kanaken und Polacken rufen“ und „die es bis heute gibt“. Allzu beklemmende Gedanken lässt der schnelle Rhythmus, den Brodmann daraufhin aus seinem Schlagzeug holt, jedoch nicht zu. Mal klimpern die Becken wie ein Glockenturm, dann rasselt ein Holzmobile, bis wieder der finale Gong ertönt. Dann liest Schwab eine Reportage über den Unternehmer Heinz Levié, der den Pelzhandel nach Nürnberg holte. Mit Bekannten gründete er die Firma „Marco“, die erfolgreich Pelze produzierte und in die gesamte westliche Welt exportierte. Anschaulich schildert Schwab die Wirtschaftswunder-Geschichte, die schließlich Ende der 60er Jahre mit der Pleite der Firma ein jähes Ende findet: „Levié stirbt wenige Tage, nachdem er den Konkursantrag unterzeichnet hat – gemeinsam mit seinem Lebenswerk.“ Abwechslung begeisterte Auch das „poetische Tamtam“ findet schließlich ein Ende, wenn auch ein harmonisches. Begeistert spenden die Zuschauer den Künstlern Applaus. „Besonders gut hat mir der Abwechslungsreichtum gefallen. Mal die Musik, dann längere Geschichten oder Gedichte. Wirklich toll“, urteilte Ottilie Grimm aus Neunkirchen. ALEXANDER DEMLING |