| Erlanger Nachrichten - 13.11.2007 |
| Die andere Seite |
|---|
Stefan Kügel und die aus Puppen gefertigten Protagonisten des Stückes „Der letzte Zug“. Eindrucksvoll wird die Judenverfolgung der Nazis gezeigt. Foto: Karl-Heinz Frank NEUNKIRCHEN (fr) — Am Vorabend der Reichspogromnacht erzählte das Kuckucksheim-Theater von Stefan Kügel in der Aula der Neunkirchener Hauptschule am Schellenberger Weg mit dem Stück „Der letzte Zug“ die Geschichte der jüdischen Familie Goldberger in den Jahren 1929 bis 1948. In dem anschaulichen, mit Original- Tonaufnahmen aus dieser Schreckenszeit angereicherten, Ein-Personen- Stück schildert der mit zahlreichen Kulturpreisen ausgezeichnete Stefan Kügel nach dem Gedicht „Rückkehr“ von Stanislaw Wygodzki die Entwicklung der von 1933 bis 1945 währenden Nationalsozialistischen Schreckensherrschaft. Kügel spannt den Bogen von den Anfängen der Bewegung bis hin zum gesetzlich verordneten Rassenwahn von der Judenverfolgung mit „Endlösung“. Im Mittelpunkt des, durch ein Halbdunkel noch verstärkten, düsteren Bühnenbildes, stehen die Holzfiguren des jüdischen Vaters Jakob Goldberger und seines Sohnes Siegfried, die sich von der christlichen Schwiegertochter Margarethe beobachtet in einer Schachpartie dem „letzten Zug“ nähern. Aber auch ein alter Volksempfänger, aus dem sowohl die Hetzreden der Nazis als Zeitzeugnisse wie auch die Erinnerungen von Betroffenen und die stimmungsvolle musikalische Untermalung erklingen, die von Dietmar Staskowiak (Klavier), Zsuzsa Zsizsmann (Violine), Reingard Krämer (Viola), Cyriakus Alpermann (Cello), Paulo Arantes (Oboe) und Axel Dinkelmeyer (Schlagzeug) inszeniert wurde, ist für den Verlauf des Stückes nahezu unverzichtbar. Besonders auf die Fragen, warum sechs Millionen Menschen jüdischen Glaubens dem Naziterror zum Opfer fallen mussten, wie so etwas im Land der Dichter und Denker geschehen konnte oder auch, wo der Zuhörer selbst gestanden hätte, versucht die Geschichte Antworten zu finden. Da gewinnt auch die Zeile aus dem Gedicht „Rückkehr“ von Stanislaw Wygodzki mit dem Text: „Und im Waggon will ich nur fröhliche Lieder singen“ einen ganz anderen Sinn. Von der Familie Goldberger überlebten den Holocaust nur Vater Jakob, Sohn Siegfried und Schwiegertochter Margarethe. Für die zahlreichen Schüler, ihre Eltern und Lehrer sicherlich einmal eine ganz andere Form des Geschichtsunterrichtes, die den jungen Menschen die tragischen Erlebnisse der Nazi-Gewaltherrschaft einmal ganz anders vor Augen führt. |